Faultier: 20 Stunden Schlaf

Auf keinen Fall Aufmerksamkeit erregen

Faultier mit glücklichem Gesichtsausdruck
Copyright: jdross75

Das Faultier will auf keinen Fall Aufmerksamkeit erregen und so wenig Energie wie möglich verbrauchen. Es ist ein Spezialist im Tarnen. Seine Bewegungen sind so langsam, dass es nicht wahrgenommen wird. Denn Raubtiere nehmen vor allem heftige Bewegungen wahr.

Lobo, unser Führer durch den Amazonas-Dschungel, zeigt nach oben in die Baumkronen. Wir sitzen im Einbaumboot und folgen mit unseren Blicken seiner ausgestreckten Hand. Oben in einer Astgabelung erkenne ich ein Termitennest, wie sie hier oft in Bäumen hängen. Doch Lobo besteht darauf, dass es ein Faultier sei. Ich schaue lange auf mein Termitennest und muss dann zugeben, dass es sich bewegt.

Tatsächlich, oben im Baum hängt ein Faultier und futtert behäbig Blatt um Blatt. Die Langsamkeit ist sein Markenzeichen. Denn auch sein Stoffwechsel und Stuhlgang funktionieren nur äußerst langsam. Damit hat es auch das entscheidende Merkmal, um zum Symbol für die Entschleunigung unseres Alltags zu werden. In der Tat wird das Faultier immer beliebter. Jetzt ist es sogar schon auf Produkten eines Drogeriemarktes zu sehen. 

Sir David Attenborough, der bekannte britische Tierfilmer und Naturforscher, rückt einem Faultier auf den Pelz. 

Einmal pro Woche Stuhlgang

Im Schlaf oder Halbschlaf verbringt das Faultier 20 Stunden jedes Tages und macht damit seinem Namen alle Ehre. Kein Wunder, dass es so bis zu 30 Jahren alt werden kann. Dabei hängt es all die Jahre fast immer kopfüber oben in einem Baum. Man kann leicht errechnen, dass es 25 Jahre seines Lebens schläft.




Dazu ist der Stoffwechsel sehr viel niedriger als bei anderen Säugetieren, heißt es in dem Fotoband „Extreme der Natur“ von Mark Carwardine. Denn wie es sich bewegt, so funktioniert auch die Verdauung: äußerst langsam. Nur einmal pro Woche hat es Stuhlgang. Dann begibt es sich sehr langsam vom Baum auf die Erde, gräbt ein Loch und hinterlässt trockene, harte Fäkalien. Die zurückgelassenen Fäkalien entsprechen einem Drittel seines Körpergewichts. Doch die Natur hat ihre Last mit den Faultierfäkalien: Die Zersetzung dauert rund zehn Mal länger als sonst üblich.

Schmetterlinge leben im Fell

Das Fell besteht aus einer dichten, langhaarigen Wolle. Die langen Haare tragen mikroskopisch kleine Grün- und Blaualgen, die das Fell farblich an die Pflanzenwelt der Umgebung anpassen und das Faultier praktisch unsichtbar machen. In seinem dichten Fell leben sogar drei Schmetterlingsarten in enger Symbiose mit dem Gastgeber. Denn sie legen dort auch ihre Eier ab.

Doch in dem filzigen Fell gedeihen auch Algen, Motten, Käfer und Pilze. Wissenschaftler sind jetzt überzeugt, im Fell der Faultiere Mikroorganismen zu finden, aus denen man neue Antibiotika entwickeln kann. Denn das ist dringend nötig. Denn immer mehr Krankheitserreger werden gegen die bekannten Antibiotika resistent. 

So verbringt das Faultier einen Tag wie den anderen oben in einem Tropenbaum und  futtert langsam und behäbig Blatt um Blatt. Es kann gelassen in den Tag sehen, denn es hat fast keinen natürlichen Feind. Einzig der Jaguar oder die Harpyie können ihm gefährlich werden. Die aber nehmen es normalerweise nicht wahr. Wenn es doch einmal entdeckt werden sollte, setzt es sich mit seinen Krallen durchaus zur Wehr, so dass es sich ein Jaguar gut überlegt, bevor er ein Faultier angreift.

Das Faultier frisst giftige Blätter. Doch in seinem Magen leben Bakterien, die dies ermöglichen. 

Ein Leben verkehrt herum

Zwar ein guter Schwimmer, wenn auch ein langsamer, fühlt sich das Faultier oben in den Bäumen am sichersten. Dort hängt es sich mit dem Rücken nach unten in die Äste. Mit seinen langen Krallen kann es sich bequem festhaken. Und das Fell ist auf dem Bauch gescheitelt. So kann das Regenwasser gut ablaufen. Sein schwerstes Körperorgan, die große Leber, liegt am Rücken des Tieres. Damit ist es gut angepasst an sein Leben „verkehrt herum“.



Zudem ist das Faultier sehr zäh und widerstandsfähig. Deshalb kann es Schläge einstecken und Wunden ertragen, die für jedes andere Säugetier tödlich wären. Auch Durst und Hunger können ihm so schnell nichts anhaben.

Tempo: 2 Meter pro Stunde

Pro Tag sind Faultiere etwa 4-5 Stunden lang am Fressen und klettern in den Ästen herum. Angeblich bewegen sie sich mit einer Geschwindigkeit von zwei Metern die Stunde. Den Rest des Tages verbringen sie schlafend.

Gerade einen Monat alt ist das Faultier Baby, was sich am Rücken der Mutter festklammert. So schwimmen sie durch den überfluteten Amazonas Regenwald. Manchmal müssen auch Faultiere einen Weg zurücklegen. Denn schmackhafte Blätter gibt es nicht an jedem Baum. 

Die Tragzeit beträgt etwa 5 ½ Monate. Dann kommt ein kleines Faultier mit offenen Augen zur Welt. Das Kleine klammert sich fest ans Fell der Mutter, um nicht aus den Baumkronen herunter in den Tod zu stürzen.

Zwergfaultier vom Aussterben bedroht

Im Amazonas hat es Riesenfaultiere gegeben, bis zu 6 Meter lang. Sie starben vor 10.000 Jahren aus. Doch manche Zoologen glauben, es gibt noch Überlebende dieser Art. Isabel Allende, die berühmte südamerikanische Schriftstellerin, hat vor dem Hintergrund dieses Mythos das Jugendbuch „Die Stadt der wilden Götter“ geschrieben. Eine spannende Expedition in den Dschungel auf der Suche nach dem riesigen, unbekannten Biest. 

Ob es nun noch überlebende Riesenfaultiere gibt oder nicht. Eines ist leider Tatsache: Der Lebensraum der jetzigen Faultiere wird immer kleiner. Durch die Vernichtung der Regenwälder wird ihnen der Platz zum Leben genommen. Zudem werden Jungtiere gefangen, um sie illegal als Haustiere zu verkaufen.

Besonders gefährdet ist das Zwergfaultier. Der Verein „Rettet den Regenwald“ schickt eine Petition an die Direktorin der Nationalen Umweltbehörde von Panama (ANAM) Mirei Endara Heras. Denn das Zwergfaultier lebt auf der kleinen, unbewohnten Karibikinsel Escudo de Veraguas, die zu Panama gehört.

Hier an der Rettungsaktion teilnehmen und die Petition online unterschreiben.

 

Quellen:
  • Beitragsfoto: Baby Faultier, Wikimedia Commons
  • Lebendige Wildnis: Tiere der Regenwälder, Verlag Das Beste, Stuttgart, Zürich, Wien
Über Bernd Kulow 117 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben. Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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