Bakterienkiller im Faultier-Fell

Forscher suchen verzweifelt nach neuen Antibiotika

Im Fell der Faultiere Antibiotika gegen resistente Bakterien
von Naille tairov (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Wissenschaftler suchen weltweit nach neuen Antibiotika. Im filzigen Fell der Faultiere fanden sie jetzt erste Anzeichen für neue Antibiotika. 

Antibiotika schützen die Menschen vor vielen bakteriellen Krankheiten. Doch die Bakterien entwickeln zunehmend Resistenzen gegen die Antibiotika. Das bedeutet, sogar weit verbreitete, längst vergessene Krankheiten könnten wieder unheilbar werden. Das wäre in der Tat ein ungeheurer Rückschritt in der medizinischen Versorgung. 

Alle Antibiotika stammen ursprünglich aus der Natur. Denn Mikroorganismen stellen auf natürliche Weise Antibiotika her, um angreifende Bakterien schnell abzutöten. Auf diese Weise haben sich Tiere und Pflanzen über Millionen Jahre geschützt. Im Labor hat man dann die bislang bekannten Antibiotika nachgebaut. Wissenschaftler hoffen nun neue antibiotisch wirkende Substanzen in der Natur zu finden, gegen die bakterielle Krankheitserreger noch nicht immun sind.



Suchtrupps in die Regenwälder ausgeschickt

Dazu sind Suchtrupps von Forschern in die entlegensten Winkel der Erde aufgebrochen. Regenwälder gelten dabei als besonders viel versprechend. Denn dort ist die Vielfalt des Lebens am größten. Zudem wimmeln insbesondere die Baumkronen geradezu von Kleinstlebewesen, die noch völlig unerforscht sind. Bereits heute stammen über 25 Prozent der Medikamente insgesamt aus den Regenwäldern. 

Doch die Zeit drängt. Denn zunehmend verlieren die bekannten Antibiotika ihre heilende Wirkung. Mittlerweile sind resistente Bakterien weltweit zu einem ernsthaften Problem geworden. Selbst wenn Forscher in nächster Zeit natürliche Antibiotika finden und isolieren, wird es Jahre dauern, bis Menschen davon profitieren können. 

Im Fell der Faultiere Antibiotika gegen resistente Bakterien

Im Amazonas untersuchen Forscher jetzt das Fell der Faultiere. Darin erkennen sie Myriaden von Kleinsttieren. Denn bis zu 900 Motten und Käfer leben im Fell eines einzigen Faultiers. Darüber hinaus fanden Forscher 84 unterschiedliche Pilzarten bei einem einzigen Tier. Sogar die Raupen der Nachtfalter finden genügend Nahrung in dem filzigen Fell der Faultiere. Nachdem sie sich entpuppt haben, kommen sie als ausgewachsene Schmetterlinge aus dem Fell hervor. Vor allem während der Regenzeit wachsen sogar Grünalgen im Fell der langsamen Tiere. 

Die Forscher haben eine Super-Idee umgesetzt. Ein Roboter-Faultier sucht die Begegnung mit einem echten Faultier in seinem natürlichen Lebensraum. Die Mini-Kameras im Roboter-Faultier erkennen, was so alles im Fell eines Faultiers lebt und vor sich geht. 

 

Thomas Morton ist mit einem Wissenschaftsteam im Regenwald in Panama unterwegs. Die Forscher sind bereits überzeugt, im Fell der Faultiere mögliche Substanzen zur Behandlung von Malaria und sogar Brustkrebs zu finden. 

 

Sir David Attenborough, der berühmte Tierfilmer der BBC, zeigt in diesem Film, mit welchem Fell die Faultiere offenbar gut leben. Denn dies erinnert durchaus an einen Komposthaufen. Man sieht sehr deutlich die Algen an den Fellhaaren in Großaufnahmen. Auf jeden Fall kein Fell zum Anschmiegen!

 

Auch Pflanzen müssen sich gegen Bakterien wehren. Von diesen Mechanismen sollen Menschen profitieren. Deshalb erforscht ein Heidelberger Mediziner die antibakteriellen Wirkstoffe in Pflanzen wie Oregano, Senf, Thymian und Salbei.

Quellen:

  • ARTE Dokumentation: „Resistente Keime – Die Entdeckung neuer Antibiotika“
Über Bernd Kulow 117 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben. Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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