Humboldt – Dschungelforscher

Vor den Mosquitos im Sand eingegraben

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Alexander von Humboldt - Gemälde von Julius Schrader [Public domain], via Wikimedia Commons

Noch heute, über 150 Jahre nach seinem Tod, kennt jedes Kind in Venezuela Alexander von Humboldt. Der Naturforscher aus Deutschland gilt in südamerikanischen Ländern als der zweite Entdecker.

Alexander von Humboldt war einer der herausragendsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts. Fünf Jahre lang reiste er durch den Amazonas-Dschungel, bestieg die höchsten Berge der Anden und entdeckte dabei eine große Zahl von Planzen und Tieren. 

Bereits als Jugendlicher hatte er einen Traum: eine Forschungsreise in den tropischen Regenwald, den Amazonas-Dschungel. Und dieser Traum erfüllte sich, als die „Pizarro“, ein Postschiff, am 5. Juni 1799 in La Coruna, in Spanien die Anker lichtete. Es sollte die entscheidende Reise des weitgereisten Forschers werden, die seinen Weltruhm begründete.

Doch es war auch die erste Reise, auf der er Abschied von Europa nahm: „Der Augenblick, wo man zum ersten Mal von Europa scheidet, hat etwas Ergreifendes.“ Zur damaligen Zeit fand die Seereise nach Amerika noch unter anderen Umständen statt als heute. Und vor allem brach Humboldt in den Amazonas Urwald auf, in einen noch völlig unbekannten Urwald.

Vor der Reise hatte er in Paris Aimé Bonpland, einen jungen Mediziner, kennen gelernt. Beide waren erfüllt von der Leidenschaft für die tropischen Regenwälder, damals für Europäer eine unbekannte, exotische Welt. Zu zweit machten sie die Überfahrt nach Südamerika.

Deutscher Forscher im Dschungel trotz Millionenerbe

Es sollte eine der bedeutendsten Forschungsreisen des 19. Jahrhunderts werden. Die beiden Europäer verstanden sich ausschließlich als Forscher: Ihre Reise diente nur wissenschaftlichen Zwecken. Sie suchten kein Goldland und wollten auch keine Macht über andere Menschen gewinnen, wie die Konquistadoren vor ihnen.

Viele Jahre hatte sich Humboldt auf diese Reise vorbereitet. Als er die Reise antrat, war er durch eine Erbschaft Millionär geworden. Dennoch änderte er seine Pläne keineswegs. Und auch als man ihm eine sehr begehrte Stellung im Staatsdienst anbot, blieb er bei seinem riskanten Vorhaben. Statt dessen nahm Humboldt jahrelang Entbehrungen und Strapazen auf sich, um die tropische Natur zu erforschen.

Alexander von Humboldt - Naturforscher
Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland am Vulkan Chimborazo – Friedrich Georg Weitsch [Public domain], via Wikimedia Commons

Gegen Moskitos: Nachts in den Sand eingraben

Die Reise durch den Amazonas-Regenwald war Tag für Tag mit wissenschaftlichen Beobachtungen, Messungen und Untersuchungen ausgefüllt. Unermüdlich bestimmten die beiden Forscher Pflanzen und Tiere. In einem Brief nach Hause nach Berlin schrieb Humboldt 1801:

„Vier Monate hindurch schliefen wir in Wäldern, umgeben von Krokodilen, Boas und Tigern (damals bezeichnete man den Jaguar auch als Tiger).

In der Guayana, wo man wegen der Moskiten, die die Luft verfinstern, Kopf und Hände stets verdeckt haben muss, ist es fast unmöglich, am Tageslicht zu schreiben; man kann die Feder nicht ruhig halten, so wütend schmerzt das Gift der Insekten. In Higuerote gräbt man sich nachts in den Sand, sodass bloß der Kopf hervorragt und der ganze Leib mit 3-4 Zoll Erde bedeckt bleibt. Man hält es für eine Fabel, wenn man es nicht sieht.“

Epochales Werk in 30 Bänden

Doch ihm selbst ging es dabei blendend:

„Meine Gesundheit und Fröhlichkeit hat, trotz des ewigen Wechsels von Nässe, Hitze und Gebirgskälte, seitdem ich Spanien verließ, sichtbar zugenommen. Die Tropenwelt ist mein Element, und ich bin nie so ununterbrochen gesund gewesen als in den letzten zwei Jahren.“

Humboldts Auswertung der fünfjährigen Reise dauerte am Ende 30 Jahre. Damit hatte er selbst nicht gerechnet. In der Zeit verfasste er dann ein Werk von 30 dicken Bänden. Nicht nur den Arbeitsaufwand hatte Humboldt falsch eingeschätzt, sondern auch die Kosten. Denn das Monument der Wissenschaftsgeschichte mit 1.400 Kupfertafeln verzehrte am Ende auch Humboldts Vermögen. Es gilt denn auch als die umfangreichste und teuerste Arbeit eines privaten Forschungsreisenden.

Um dies aufwendige Werk zu vollbringen, zog es Humboldt nicht ins preußische Berlin zurück. Aus Amerika hatte er an seinen Bruder Wilhelm nach Berlin geschrieben:

„Macht nur, dass ich niemals nötig habe, die Türme Berlins wiederzusehen.“

In der Tat war Paris damals die Wissenschaftsstadt an sich. So zog es Humboldt in die französische Hauptstadt, wo ihn die französischen Wissenschaftler mit offenen Armen empfingen. An seinen Bruder schrieb er:

„Ich arbeite hier sehr viel und glücklich. Der Ruhm ist größer als je.“

Der Befehl des preußischen Königs

Französisch war damals die Wissenschaftssprache weltweit. Humboldts epochales Werk erschien entsprechend zunächst in Französisch. Doch dem preußischen König gefiel nicht, dass sein berühmter Untertan in Paris lebte. Humboldt bekam die klare Anweisung, nach Berlin zurückzukehren. Seine geschrumpften finanziellen Mittel ließen ihm am Ende keinen anderen Weg, obwohl er sich zu Anfang mir Ausflüchten gesträubt hatte. 




Nach dem Bestseller-Autor Daniel Kehlmann hatte der lang erwartete Reisebericht Humboldts das Publikum enttäuscht. Louis Daguerre hat demnach Humboldt bemitleidet, weil er am Publikum vorbei geschrieben habe:

Hunderte Seiten voller Meßergebnisse, kaum Persönliches, praktisch keine Abenteuer. Ein tragischer Umstand, der seinen Nachruhm schmälern werde. Ein berühmter Reisender werde nur, wer gute Geschichten hinterlasse. Der arme Mann habe einfach keine Ahnung, wie man ein Buch schreibe! Jetzt sitze er in Berlin, baue eine Sternwarte, habe tausend Projekte und gehe dem ganzen Stadtrat auf die Nerven.

Sein Reisebegleiter Bonpland hingegen zog es zurück in die Tropen. In Südamerika aber fand er kein Glück mehr. Denn dem Diktator Paraguays gefielen seine Ansichten nicht. Neun Jahre lang saß er im Gefängnis und starb ruhmlos in Argentinien.

Quellen:

  • Alexander von Humboldt: „Mein vielbewegtes Leben“, mit biographischen Zwischenstücken von Frank Holl, Frankfurt, 2009
  • Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt, Hamburg 2005
  • Victor von Hagen, „Auf der Suche nach dem goldenen Mann, Hamburg 1977
  • Marcia Willis, „Urwälder am Amazonas“, London 1971
  • Fabienne Pavia, „Der Amazonas“, Köln 1999
  • Abbildung Wikimedia Commons: Alexander von Humboldt
  • Abbildung Wikimedia Commons: Humboldt-Bonpland Chimborazo
Über Bernd Kulow 118 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben. Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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