Mangroven: Kostbare Sümpfe

Forscher betonen Küstenschutz der Mangroven

Mangrove Mangroven
By Cesar Paes Barreto (http://www.sxc.hu/photo/40192) [Copyrighted free use], via Wikimedia Commons

Mangrovenwälder beherrschen einen Großteil der Amazonas-Mündung. Die Mangroven schützen die Ufer vor Erosion und fangen starke Stürme ab. Im Schutz der Mangrovenwälder finden viele Vögel und Fische ihre Brutplätze. Doch das Ökosystem ist gefährdet.

Der weiche Schlamm, in dem Mangroven wachsen, bietet Krabben, Schnecken, Muscheln oder verschiedenen Arten von Würmern Lebensraum. Hier finden Vögel ihre Nahrung. Zudem liegt die Amazonas-Mündung an einer großen Vogelzugroute. Viele Tausend Wattvögel aus Nordamerika rasten hier oder verbringen hier die Monate des nördlichen Winters. In dieser Zeit kann man zum Beispiel Regenpfeifer oder Strandläufer in den Mangroven antreffen.

In den Mangroven tummeln sich auch unterschiedlichste Fischarten. Die Fische finden hier Laichplätze. Darum wimmelt es hier von Jungfischen.


Deutsch-brasilianisches Forschungsprojekt

Wissenschaftler untersuchten mehrere Jahre lang ein Mangroven-Gebiet bei Braganca im Mündungsgebiet des Amazonas. Mit dem deutsch-brasilianischen Projekt MADAM (Mangrove Dynamics and Management) erarbeiteten die Mongroven-Forscher wissenschaftliche Grundlagen zum Schutz und zur Nutzung der Mangrovenwälder.

Denn heute leben noch weit über die Hälfte der lokalen Bevölkerung von den natürlichen Ressourcen der Mangrovenwälder. Dabei werden die Wälder auch zunehmend für Touristen geöffnet. Dabei sind erste Zerstörungen nicht ausgeblieben.

Wissenschaftler des Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) der Universität Bremen waren an dem Projekt beteiligt. Das Projekt in einem der größten Mangrovengebiete der Erde brachte umfassende Einblicke in Struktur und Funktion des Ökosystems Mangrove.

Mangroven – Ödnis oder ökologisches Multitalent?

Mangroven sind Gezeiten-Wälder, die in den Tropen die Küsten säumen und eine Vielfalt an außergewöhnlichen Lebensformen beherbergen. Tiere und Pflanzen sind dort an die extremen Umweltbedingungen angepasst, die ein den Tiden ausgesetzter Standort mit sich bringt. Weltweit bedecken die Mangrovenwälder eine Fläche von ca.15 Millionen ha, das entspricht der Hälfte der Fläche Deutschlands. Man schätzt jedoch, dass in den letzten 30 Jahren ihr Bestand um fast vier Millionen ha abgenommen hat. Im Verhältnis zur Gesamtfläche schwindet der Mangrovenwald schneller als der tropische Regenwald. 

Dieser Film zeigt sehr schöne Aufnahmen von Mangroven. Es sind Mangroven, die im Salzwasser wachsen. 

Besonders gefährdet sind die tropischen Mangrovenwälder. Große Mangroven-Gebiete wurden in den 80er und 90er Jahren für den Bau von Garnelenfarmen abgeholzt, zum Beispiel in Ecuador. Dabei werden auch die Brutplätze vieler Fischarten zerstört. Die Rodung der Mangrovenwälder gefährdet aber auch die Menschen in den Ufer- und Küstenstreifen. Denn die Mangroven schützen den Küstensaum und stabilisieren ihn. Fallen sie, können Flutwellen ernsthaften Schaden anrichten.

Will man die Zerstörung der Mangroven verhindern, müssen nachhaltige Bewirtschaftungsformen gefunden werden, so die Ergebnisse der Tropenforscher. Dazu sind grundlegende Kenntnisse ihrer Struktur, ihrer ökologischen Funktionen und ihrer Nutzung durch den Menschen notwendig. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erhoben die Wissenschaftler im MADAM – Projekt Daten zu Waldstruktur und Artenvielfalt des noch relativ ungestörten Mangroven-Gebietes im Süden der Amazonasmündung. Dabei bezogen sie auch die Verbindungen zum Hinterland und zum offenen Meer ein. An dem fachübergreifenden Projekt war ein deutsch – brasilianisches Team mit Biologen, Geologen, Geographen, Sozioökonomen und Modellierern beteiligt.


Wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf

Wie die Untersuchungen zeigten, haben Mangrovenwälder eine große Anzahl äußerst wichtiger Funktionen. Aufgrund ihrer hohen Produktion an Biomasse spielen sie eine wesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Abgestorbenes Tier- und Pflanzenmaterial, das aus den Mangroven ins Meer gespült wird, nährt die küstennahen Ökosysteme. Mangrovensümpfe sind Aufwuchsgebiete für viele wirtschaftlich wichtige Fisch-, Krebs- und Garnelenarten.

Überall dort, wo sie dem Städtebau und der Garnelenzucht weichen mussten, gingen die Erträge der Küstenfischerei drastisch zurück. Auch schützen Mangrovenwälder die Küsten vor Sturmfluten und Erosion und das Hinterland vor dem Anstieg des Meeresspiegels. Sie behalten Schadstoffe und Sedimente aus Flusseinträgen zurück, bevor diese in die Küstenmeere gelangen und dort die Lebensgemeinschaften schädigen. 

Erste Schutzgebiete eingerichtet

In dem Untersuchungsgebiet mit seinen etwa 85.000 Einwohnern leben zwei Drittel der Haushalte direkt oder indirekt von den natürlichen Produkten der Mangrove. Die Forscher bestimmten den sozioökonomischen Stellenwert von mehr als einem Dutzend Mangroven-Produkten, wie Landkrabben, Fischen und Holz und zeigten Nutzungskonflikte auf. 

 

Mangroven wurden lange Zeit als Ödnis angesehen, nutzlose Sümpfe, die man ohne Bedenken rodete. Das MADAM-Projekt hat in Brasilien auf verschiedenen Ebenen, von lokalen Nutzern bis hin zu nationalen Regierungsorganisationen ein Umdenken in Gang gesetzt. Basierend auf den Forschungsergebnissen richtete die Regierung Schutzgebiete ein. 

Quellen:

  • Saint-Paul U., Schneider H. (Hrsg.): Mangrove Dynamics and Management in North Brazil. Ecological Studies, Springer Verlag, 2010.
  • Leipniz-Zentrum für Marine Tropenforschung: Pressemeldung „Mangroven – Ödnis oder ökologisches Multitalent“ (4.11.2010)

Bildnachweise:

Beitragsfoto: Wikimedia commons „Roots“ 


Über Bernd Kulow 118 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben. Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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