Mit der Bibel in der Hand

Missionare raubten Kinder der Indianer. Andere jedoch schützten die Indianer

Mit der Bibel in der Hand Death of Father Filipe Bourel
Death of Father Filipe Bourel: Unknown painter (Portuguese School)

Die Missionare drangen vor etwa 400 Jahren in Amazonien ein. Sie raubten Kinder von Indianern, um aus ihnen kleine Christen zu machen. 

In Amazonien hatten es die Missionare deutlich schwerer als bei den Indianern in den Anden. Die Moskitos, giftige Tiere und die Abgeschiedenheit in der Wildnis machten den Missionaren das Leben schwer.

Zudem waren die Indianer im Amazonasgebiet nur auf den Flüssen zu erreichen. Die Missionare verstanden weder die religiösen Anschauungen der Indianer noch deren Sprache.
Um ihrem Ziel näher zu kommen, unter den Amazonasindianern das Christentum zu verbreiten, griffen sie zu äußerst unchristlichen Mitteln. Und das alles mit der Bibel in der Hand.

Sie raubten Kinder der unterschiedlichen Indianergruppen und brachten ihnen Spanisch bei. Danachmussten die Kinder den Missionaren als Übersetzer dienen. Gleichzeitig überzeugte man die Kinder von der christlichen Lehre. Ihre eigene Religion ließ man als Teufelswerk erscheinen. Die so erzogenen dienten als Mittler zwischen den Missionaren und den Indianergruppen.

In den Gebieten Amazoniens, die zur spanischen Krone gehörten, waren es die Jesuiten- und Franziskanerorden, die versuchten, die Oberhand über die Indianer zu gewinnen. Mit einem Erlass des spanischen Königs waren ihnen getrennte Gebiete zugesprochen. Die Zahl der Missionare war allerdings nicht besonders hoch. So lebten zwischen 1640 und 1767 immer 15 bis 20 jesuitische Missionare in den zur spanischen Krone gehörenden Amazonas-Gebieten.

Missionare verantwortlich für Epidemien

Eine Missionsstation war durch eine Kirche. Daneben stach das Haus des Missionars hervor. Ein zentraler Platz in der Mitte war typisch für die Missionarsdörfer. Um mit den Indianern in Kontakt zu kommen, verschenkten die Missionare Eisengegenstände wie Äxte oder Messer. Denn die Indianer kannten keine Eisenverarbeitung. Sie hatten bis dahin nur mit Steinäxten gearbeitet. Die neuen Eisenwerkzeuge veränderten den Alltag der Indianer. Mit den Werkzeugen kultivierten sie größere Felder und konnten jetzt längere Kanus bauen.




Die Missionare waren vermutlich ohne ihr Wissen mitverantwortlich für etliche verheerende Epidemien, denen ganze Indianergemeinschaften erlagen. Die europäischen Missionare schleppten etwa Grippeviren ein, gegen die das Immunsystem der Indianer machtlos war.

Jesuiten vom König ausgewiesen – zu Indianer freundlich

Doch besonders einige Jesuiten schützten die Indianer vor Sklavenhändlern und Goldsucherbanden. Den weltlichen Herrschern war dieses Verhalten der Jesuiten aber ein Dorn im Auge. Im Jahr 1755 entzog der portugiesische König den Jesuiten jegliche Autorität über die Indianer in seinem Herrschaftsgebiet. Wenige Jahre später ließ er die Jesuiten aus den portugiesisch und spanisch beherrschten Ländern ausweisen.

Quellen:

  • Maria Susana Cipolletti, Die fremden Seelenfänger – katholische Missionare im Amazonasgebiet (17. u. 18. Jhd) in : Die Neue Welt, Basel 1992
  • Expedition Amazonas, Das Beste 1987
  • Abbildung Tod eines Missionars: Wikimedia Commons 
Über Bernd Kulow 117 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben. Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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