Intime Sicht auf die Yanomami

Claudia Andujar: Mit der Kamera zwischen den Welten

Claudia Andujar hat das Leben der Yanomami in eindrucksvollen Fotos dargestellt. Sie überlebte den Holocaust und ging nach Brasilien. Ihr Lebenskern: An der Seite der Yanomami stehen.

Immer wieder tauchte sie tief im Dschungel in das Leben der Yanomami ein. Über Jahrzehnte fand sie einen immer intimeren Einblick in die Kultur des indigenen Volkes. Die Begegnungen mit den brasilianischen Ureinwohnern prägten ihr Leben. Bei ihnen fühlte sie sich bald wie in einer „eigenen Familie“.

Für einen Fotoauftrag für ein brasilianisches Magazin reiste sie 1971 zum ersten Mal in das Gebiet der Yanomami im brasilianischen Regenwald. Dort im Amazonas Regenwald erfasste sie eine Faszination für die Lebensweise der Yanomami, die sie nie wieder losließ. Ihre Fotografien wurden ausgestellt und erlangen internationale Aufmerksamkeit.

Künstlerin und Aktivistin

Doch sie beließ es nicht bei ihrer künstlerischen Fotografie. Mit anderen Aktivisten und Anthropologen gründete sie eine Initiative, um die Yanomami in ihrem Gebiet zu schützen. Nicht zuletzt durch ihr Engagement wurde 1992 der Lebensraum der Yanomami zum Schutzraum erklärt.

Als die Fotografin 1971 erstmals auf die Yanomami traf, wussten diese nicht, was das ist, ein Foto. Als sie ihnen Fotos zeigte, die sie von ihnen aufgenommen hatte, erkannten sie sich nicht. Zwei Zeitalter trafen dort im Dschungel auf einander. Die Yanomami lebten mit dem Wald, folgten den Pfaden der Tiere und dem Lauf der Flüsse. Sie lebten im Einklang mit ihren Geistern und der Natur.

Von einem Zeitalter ins andere

Das andere waren die Motoren. Die Motoren der Flugzeuge und der Kettensägen. Die Uhren und Gewehre. Claudia Andujar fand sich nun zwischen diesen Welten, für den Rest ihres Lebens. Sie wandelte mit ihrer Kamera von einem Zeitalter ins andere. Dabei schuf sie ein einzigartiges Foto-Archiv der Yanomami: 60.000 Aufnahmen.

Claudia Andujar Fotografie

Claudia Andujar, 1931 in der Schweiz geboren, verbringt ihre Kindheit in Rumänien und Ungarn, bis die mit ihrer Mutter vor der Verfolgung des Nazi-Regimes fliehen muss. Ihr Vater, ungarischer Jude, und der Großteil ihrer Verwandtschaft kommen 1944 im Konzentrationslager Dachau ums Leben. 1945 emigriert Andujar in die USA und hat erste Erfolge als Fotojournalistin. Sie bekommt Aufträge vom Magazin „LIFE“ und von der „NEW YORK TIMES“. Das MoMA nimmt Fotografien von ihr in seinen Bestand auf.

Fotos als Engagement

1955 folgt sie schließlich ihrer Mutter, die nach Sao Paulo emigrierte. Dort ist die Kamera ihr wichtiges Mittel, um den Protest gegen Misstände, Gewalt und Unterdrückung in Brasilien zu dokumentieren.

Doch den größten Einfluss auf ihr Leben und ihr künstlerisches Schaffen hat ihre Begegnung mit den Yanomami. Deren Existenz ist durch wirtschaftliche Interessen bedroht. Holzfäller und Goldsucher dringen in den Lebensraum der Urbevölkerung ein und richten verheerende Schäden am Wald und an den Lebensgrundlagen der Yanomami an.

Yanomami Fotografin Claudia Andujar

Marcados, die Markierten

In den 1980er Jahren erstellt sie die Foto-Serie „Marcados“, die Markierten. Dabei ging es um eine Impfkampagne. Mit zwei Ärzten zog sie durch das Gebiet der Yanomami und hielt mit der Kamera den Gesundheitszustand der Menschen fest. Jedoch besitzen die Indigenen keine Namen im europäischen Sinn. Deshalb wurden die Fotografierten mit Nummern versehen.

Die Markierung der Menschen erinnerte an Konzentrationslager. Doch in diesem Fall diente sie den Menschen. Und die Fotografin nimmt sich für jedes Porträt viel Zeit. Mit ihrem fotografischem Talent arbeitet sie die Identität und die eigene Lebensgeschichte der abgebildeten Yanomami heraus. In dem im Jahre 2020 erschienen Fotobuch „Morgen darf nicht gestern sein“ sind 87 der Porträts eindrucksvoll dargestellt.

Quellen:

Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 166 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben. Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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