Ameisenbär: das große Fressen

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Ameisenbären, kleiner Ameisenbär
Kleiner Ameisenbär - copyright: Bernd Kulow

Ameisenbären leben tatsächlich nur von Ameisen und Termiten. Aber äußerst schnell müssen sie die Insekten auflecken, sonst schmerzt sie die chemische Abwehr der Ameisen.

Ameisenbären haben eine gute Nase. Ihr Sehvermögen ist dagegen nur mäßig entwickelt. Sie riechen ihre Beute und fressen sehr schnell. In der Regel graben sie mit ihren Krallen ein kleines Loch in ein Ameisennest. Dann lecken sie die herausströmenden Tiere mit ihrer flinken Zunge auf. Die schnellt dabei bis zu 150-mal pro Minute vor und zurück. Oder sie reißen mit ihren kräftigen Klauen leicht einen Termitenhügel auf. Das gelingt ihnen, obwohl die Hügel so hart wie Zement sein können.

Dann kommt den Ameisenbären (Vermilingua) als erstes ihre lange Schnauze zur Hilfe. Mit der reichen sie weit in den Termitenhügel oder in ein Ameisenbau hinein. Und zusätzlichen Vorteil gewinnen sie mit ihrer bis zu 60 cm langen Zunge. Die ermöglicht dem Ameisenbär sehr tief in die Gänge der Bauten einzudringen. Sie ist zudem mit klebrigem Speichel bedeckt. So bleiben Ameisen oder Termiten an ihr haften.

Ist die Zunge in den Gängen angelangt, geht es um Tempo. Die Zunge schnellt rasend schnell raus und rein. Die Ameisen aber gehen voll auf Abwehr. Sie nutzen ihr Ameisengift und beißen in Scharen auf den Angreifer ein. Höchstens eine Minute lang hält der Ameisenbär die Angriffe aus. Dann zieht er sich schnell zurück und sucht den nächsten Ameisen- oder Termitenbau.

Nachhaltiges Fressen

Die Ameisenbären verzehren aus jedem Nest nur eine begrenzte Menge von Insekten. Somit richten sie an den Nestern wenig Schaden an. Niemals vernichten sie ganze Ameisenvölker. Damit behalten sie in ihrem Streifgebiet stets genügend Nahrungsquellen. Die Langnasen verhalten sich also sehr klug, indem sie auf Nachhaltigkeit setzen. Klüger als oft wir Menschen, wenn wir zum Beispiel durch Überfischung unsere Nahrungsquellen vernichten.

Woher aber stammt die Klugheit der Ameisenbären? Vielleicht sind es doch einfach nur die Angriffe der Ameisen, die zum Rückzug zwingen und so für ein nachhaltiges Verhalten sorgen.

Tropenökologin Lydia Möcklinghoff präsentiert 5 Fakten über die großen Ameisenbären in Brasilien. Doch die Tierforscher wissen bisher noch sehr wenig über das Verhalten der Ameisenbären. So erforscht die deutsche Ökologin zum Beispiel, warum die Tiere an Bäume Duftmarken hinterlassen. Die Brasilianer jedenfalls lieben die seltsamen Tiere. Damit ist auch das Interesse an ihrem Schutz groß. 

 

Mit ihren scharfen Krallen können sie Menschen töten

Besonders die großen Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla) sind sehr wehrhaft. Sie setzen sich auf die Hinterbeine, sobald ein Angreifer zu nahe kommt. Dann teilen sie mit ihren Vorderfüßen gefährliche Hiebe aus. Oder sie umarmen den Feind, ziehen ihn an sich und zerfleischen ihm mit den Krallen den Rücken. Für angreifende Hunde kann diese Umarmung tödlich ausgehen. Bären können auf dieselbe Art ihre Feinde vernichten. Vermutlich hat dies zum Namen Ameisenbär geführt.

Trotz seiner scharfen Krallen bleibt der große Ameisenbär gegenüber einem Puma oder Jaguar in der schwächeren Position.

Wenn sich ein großer Ameisenbär allerdings bedrängt fühlt, greift er sogar Menschen an. Bis zu 2 Meter kann das Tier lang werden und 50 Kg wiegen. Solche ausgewachsenen Ameisenbären haben angeblich in zwei Fällen brasilianische Bauern getötet. Spiegel ONLINE berichtet, dass sich die Tiere offenbar bedroht fühlten. Solche Attacken aber sind äußerst selten. Normalerweise verhalten sich die Ameisenbären friedlich gegenüber Menschen.

Die Ameisenbären bevorzugen Termiten. Denn die sind besonders nahrhaft. 

Auf dem Rücken der Mutter galoppieren

Die Ameisenbären sind Einzelgänger. Große Ameisenbären graben Mulden, in denen sie bis zu 15 Stunden pro Tag ruhen. Sie tarnen sich, indem sie sich mit ihrem fächerartigen Schwanz zudecken. 

Zur Paarung allerdings geben sie das Einzelgänger-Dasein auf. Normalerweise kommt dann nur ein Junges zur Welt. Nach der Geburt klettert es auf den Rücken der Mutter. Dabei wirken die Färbung und das Muster der Felle wie eine hervorragende Tarnung. So findet das Junge einen sicheren Platz auf dem Rücken der Mutter. Diese säugt das Junge 6 Monate lang. Mit 2 Jahren wird das junge Tier geschlechtsreif. Solange bleibt es meist bei der Mutter. Dabei lernt es auch schnell zu galoppieren. Meist jedoch bewegen sie sich langsam.

Es gibt vier Arten von Ameisenbären: der große Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla) wird bis zu 50 Kg schwer. Der Zwergameisenbär (Cyclopes didactylus) dagegen gerade 250 Gramm. Die beiden unterscheiden sich auch stark in ihrem Verhalten. Der Zwergameisenbär fühlt sich nur in den Bäumen wohl und kommt kaum jemals auf den Boden herunter. Ihn findet man vorwiegend im Amazonas Regenwald. Der Große Ameisenbär bewegt sich dagegen ausschließlich am Boden und bevorzugt meist offene Landschaften wie Savannen.

Zwischen den großen und den kleinen Ameisenbären gibt es noch die Tamanduas. Die bewegen sich sowohl am Boden wie auch in den Bäumen. Ihren Körpergrößen entsprechend wählen die Ameisenbären ihre Nahrung. So liebt es der große Ameisenbär, die größten Ameisen zu verzehren. Derweil halten sich die Tamanduas an die mittelgroßen und der Zwergameisenbär frisst lieber die kleinen.

Quellen:

Über Bernd Kulow 168 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Seit 2 Jahren bin ich freischaffender Filmemacher unter dem Namen MANGO-Film (www.mango-film.de). Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat mich vor allem der Amazonas Dschungel beeindruckt.

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