Bakterienkiller im Faultier-Fell

Forscher suchen verzweifelt nach neuen Antibiotika

SOS Antibiotika

Wissenschaftler fahnden weltweit nach neuen Antibiotika. Bei ihrer Suche fanden sie jetzt überraschend im filzigen Fell der Faultiere erste Anzeichen für neue Antibiotika.

Antibiotika schützen die Menschen vor vielen bakteriellen Krankheiten. Doch die Bakterien entwickeln zunehmend Resistenzen gegen die Antibiotika. Das bedeutet, sogar längst vergessene Krankheiten könnten sich wieder ausbreiten. Infolgedessen wäre ein ungeheurer Rückschritt in der medizinischen Versorgung zu erwarten.

Alle Antibiotika stammen ursprünglich aus der Natur. Denn Mikroorganismen stellen auf natürliche Weise Antibiotika her, um angreifende Bakterien schnell abzutöten. Auf diese Weise haben sich Tiere und Pflanzen über Millionen Jahre geschützt. Im Labor hat man dann die bislang bekannten Antibiotika nachgebaut. Wissenschaftler hoffen nun neue antibiotisch wirkende Substanzen in der Natur zu finden. Denn nur, wenn sie solche Substanzen ausfindig machen, können sie neue Antibiotika herstellen. Und zwar Antibiotika gegen die bakterielle Krankheitserreger noch nicht immun sind.

Suchtrupps in die Regenwälder ausgeschickt

Dazu sind Suchtrupps von Forschern in die entlegensten Winkel der Erde aufgebrochen. Besonders Regenwälder gelten dabei als viel versprechend. Denn dort ist die Vielfalt des Lebens am größten. Zudem wimmeln insbesondere die Baumkronen geradezu von Kleinstlebewesen, die noch völlig unerforscht sind. Bereits heute stammen über 25 Prozent der Medikamente insgesamt aus den Regenwäldern.

Doch die Zeit drängt. Denn zunehmend verlieren die bekannten Antibiotika ihre heilende Wirkung. Damit stellen resistente Bakterien die Mediziner weltweit vor ernsthafte Probleme. Selbst wenn Forscher in nächster Zeit natürliche Antibiotika finden und isolieren, wird es Jahre dauern, bis Menschen davon profitieren können.

Im Fell der Faultiere Antibiotika gegen resistente Bakterien

Im Amazonas untersuchen Forscher jetzt das Fell der Faultiere. Darin versteckt haben sie bereits  Myriaden von Kleinsttieren erkannt. Denn bis zu 900 Motten und Käfer leben im Fell eines einzigen Faultiers. Ferner fanden Forscher 84 unterschiedliche Pilzarten bei einem einzigen Tier. Sogar die Raupen der Nachtfalter finden genügend Nahrung in dem filzigen Fell der Faultiere. Nachdem sie sich entpuppt haben, kommen sie als ausgewachsene Schmetterlinge aus dem Fell hervor. Vor allem während der Regenzeit wachsen sogar Grünalgen im Fell der langsamen Tiere.

Mehr zu den Faultieren:

Doch nun haben die Antibiotika Forscher sogar bei den Blattschneiderameisen Antibiotika entdeckt. Bislang aber ist unklar, ob diese Substanzen beim Menschen Krankheitserreger töten können.

Die Forscher haben eine Super-Idee umgesetzt. Dabei beobachten sie mit einem Roboter-Faultier ein echtes Faultier in seinem natürlichen Lebensraum. Dabei erkennen die Mini-Kameras im Roboter-Faultier, was so alles im Fell eines Faultiers lebt und vor sich geht. 

 

Thomas Morton ist mit einem Wissenschaftsteam im Regenwald in Panama unterwegs. Die Forscher sind bereits überzeugt, im Fell der Faultiere mögliche Substanzen zur Behandlung von Malaria und sogar Brustkrebs zu finden.

 

Sir David Attenborough, der berühmte Tierfilmer der BBC, zeigt in diesem Film, mit welchem Fell die Faultiere offenbar gut leben. Denn dies erinnert durchaus an einen Komposthaufen. Auf einen Blick sieht man sehr deutlich die Algen an den Fellhaaren in Großaufnahme. Auf jeden Fall kein Fell zum Anschmiegen!

 

Selbst Pflanzen müssen sich gegen Bakterien wehren. Deshalb haben auch sie Krankheitserreger tötende Wirkstoffe entwickelt. Genau diese Abwehr-Mechanismen wollen Mediziner jetzt nutzbar machen. Davon sollen Menschen in Zukunft profitieren. Denn diesen Weg hatte bislang noch niemand verfolgt. Das bedeutet neue Hoffnung für wirkungsvolle Antibiotika. Deshalb erforscht ein Heidelberger Mediziner die antibakteriellen Wirkstoffe in Pflanzen wie Oregano, Senf, Thymian und Salbei.

Quellen:

  • ARTE Dokumentation: „Resistente Keime – Die Entdeckung neuer Antibiotika“

Bildernachweise:

Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 150 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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