Giftschlangen im Dschungel

Hartes Auftreten auf den Boden verscheucht die Schlangen

Giftschlangen
Copyright: Bjoern Gotzmann

Ein Fünftel aller Schlangen sind giftig. Dabei kann der Biss einer Giftschlange schlimmste Folgen haben.

Giftschlangen zeichnen sich durch ihre Giftzähne aus. Von der Giftdrüse gelangt das Gift durch einen Kanal bis zu einer Öffnung in der Zahnspitze. Beim Biss injiziert die Schlange dann das Gift in ihr Opfer. Dazu besitzt sie besondere Muskeln. Mit diesen Muskeln drückt sie das Gift bis in die Zähne.

Das Gift selbst ist von Art zu Art ganz verschieden zusammengesetzt. Und somit ist auch die Wirkung der einzelnen Giftschlangen sehr unterschiedlich.

Herz versagt nach Schlangenbiss

Bei jeder Giftschlange allerdings enthält das Gift Dutzende schädigender Substanzen. Deshalb treten nach einem giftigen Biss in der Regel eine Reihe von Symptomen gleichzeitig auf. Das Gift der Südamerikanischen Lanzenotter (Bothrops atrox) etwa zersetzt sehr schnell Zellen und zerstört Körpergewebe. Es greift das Blutgerinnungssystem an, dabei wirkt es hämotoxisch. Schlangengifte, die hämatoxisch wirken, können die Gerinnung beschleunigen oder verlangsamen. Nieren oder Herz können dabei versagen.

Wie oft beißen Giftschlangen zu?

Die Weltgesundheitsorganisation, WHO, hat weltweit Daten zu Schlangenbissen erhoben. Demnach entwickeln 2,7 Millionen Menschen eine Krankheit infolge eines Schlangenbisses. Von den Erkrankten sterben etwa 100.000 und bei 400.000 bleibt ein Leben lang eine Behinderung zurück. Gefährliche Schlangenbisse treten allerdings vorwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten auf. Die WHO spricht demgemäß von einer Tropenkrankheit. Dagegen gab es seit 1960 nur einen Todesfall infolge eines Schlangenbisses in Deutschland.

Die Giftigsten des Amazonas

Im Amazonas zählt die Lanzenotter zu den am meisten gefürchteten Schlangen. Sie besitzt mit der ebenfalls gefürchteten Buschmeister die größte Menge Gift der Amazonas-Schlangen. Andere Schlangen besitzen dagegen viel geringere Giftmengen. Doch wirklich ungiftig sind die Riesenschlangen wie die Anakonda. Diese Würgeschlangen allerdings sind deshalb nicht gerade ungefährlich. Denn sie würgen ihre Opfer zu Tode.

Die Neue Züricher Zeitung zeigt hier eine Dokumentation über unterschiedliche Giftschlangen. Bei den hoch gefährlichen Schlangen kann bereits ein Biss tödlich sein. In der Schweiz bei Basel stellt eine Pharmafirma aus dem Gift der Südamerikanischen Lanzenotter (Bothrops atrox) Batroxobin her. Daraus gewinnen die Pharmakologen ein Medikament, das bei Schädigungen der Blutgerinnung hilft. Das Gift der Lanzenotter wird zum Beispiel auf einer Schlangenfarm in Brasilien gewonnen. Die Schlangen werden dazu gemolken. Doch dabei gibt eine Schlange nur 50 bis 100 mg Gift ab. Und dann braucht sie 2 Wochen, um wieder Gift produziert zu haben. 

Die Schlangen benutzen das Gift vor allem, um ihre Beutetiere zu töten. Somit sind sie in der Lage auch große Tiere zur Beute zu machen. Zur Verteidigung setzen die Schlangen dagegen ihr Gift gar nicht immer ein. Deshalb müssen die Bisse selbst der giftigsten Schlangen nicht immer schlimmste Auswirkungen haben. Die Schlangen beißen oft nur trocken, also ohne Gift, um sich zu verteidigen.

Die Dosis macht das Gift

Schlangengift ist eine Mixtur etlicher Substanzen, giftiger und ungiftiger Art. Mediziner haben jetzt einzelne Bestandteile der Schlangengifte isoliert. Diese dienen zur Behandlung verschiedener Krankheiten. Beispielsweise lindern sie Durchblutungsstörungen, verhüten Blutgerinnsel oder stillen Blutungen.

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Insgesamt gibt es etwa 3.400 Schlangenarten auf der Welt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es deutlich mehr giftige Schlangenarten gibt, als früher angenommen. Demnach sind etliche Hundert Schlangenarten giftig. Dies bedeutet aber auch, dass noch längst nicht alle Schlangengifte ausreichend erforscht sind. Mediziner erhoffen sich nun neue Medikamente aus noch nicht untersuchten Schlangengiften.

Wie sich vor Giftschlangen schützen?

Giftschlangen beißen zu 80 Prozent in den Fuß oder ins Bein. Man kann sich also mit entsprechendem Schuhwerk gut schützen. Gerade in den Tropen aber besitzen viele Menschen kein gutes Schuhwerk. Ihre finanziellen Mittel reichen dazu nicht aus.

Was also sollte man also tun, um einen Biss zu vermeiden?

  • Feste hohe Schuhe tragen
  • Auf dem Weg bleiben, nicht ins Gebüsch gehen
  • Und stets fest auftreten. Die Vibrationen des Bodens nehmen die Schlangen wahr und ziehen sich zurück.
  • Schlangen niemals in die Enge treiben.
  • Sollte eine Schlange eine Drohgebärde zeigen, langsam zurückgehen.
  • Erhöht in einem dichten Moskitonetz schlafen

Erste Hilfe nach dem Schlangenbiss

Nach einem Biss zeigen sich die Symptome manchmal erst nach Stunden. Deshalb sollte man möglichst schnell in ein Krankenhaus, selbst wenn sich noch keine Symptome zeigen.

Deshalb ist es enorm wichtig zu wissen, welche Schlange gebissen hat. Man sollte sich genau merken, wie die Schlange ausgesehen hat. Oder besser – wenn irgend möglich – ein Foto von der Schlange machen.

Nach Auskunft der WHO taugen sonstige Ratschläge nichts. Ganz im Gegenteil. Vieles was empfohlen wird, kann sogar gefährlich sein. Kaliumpermanganat zum Beispiel kann die Wirkung des Schlangengiftes unter Umständen sogar verschlimmern. Auch ein Abbinden, das Anlegen einer Kompressionsbinde, ist bei manchen Schlangenbissen nicht angebracht.

Das beste, was man tun kann: Zuerst den Gebissenen zur Ruhe bringen. Dann möglichst auf einer Trage den Verwundeten so schnell es geht zu einem Arzt bringen.

Wie wirksam sind Gegengifte?

Das wirksamste Mittel bei einem Schlangenbiss ist das Gegengift. Dieses Antiserum gewinnt man aus dem Blut von Pferden oder Schafen. Denen spritzt man zuvor Schlangengift in einer nicht tödlichen Dosis. Daraufhin produzieren die Tiere die Antikörper. Die verbinden sich dann mit den Gift-Bestandteilen im Blut eines Gebissenen und machen sie unschädlich.

Nach einem Biss geht es vor allem um schnelles Handeln. Denn das Gegengift muss so schnell wie möglich gespritzt werden.

Doch die Antiseren sind nicht harmlos. Sie können zu ernsthaften allergischen Reaktionen führen. Deshalb sollte immer sowenig wie möglich gegeben werden. Dies geht nur, wenn man das richtige Antiserum einsetzt. Denn für die unterschiedlichen Gifte der Giftschlangen gibt es ein spezielles Gegengift.

Quellen:

  • Dr. Dietmar Mertens: Schlangen, Nürnberg 2008
  • Dr. Lutz Dirksen: Faszination Riesenschlangen, München 2007
  • Dr. Hans W. Kothe: Schlangen & Reptilien, Köln
  • Wikipedia: Schlangenbiss (Aufgerufen am 15. 07. 2017)
  • World Health Organization, WHO: Snakebite FAQ

Bildnachweise:

  • Beitragsbild Giftschlange: Bjoern Gotzmann / fotolia

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Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 145 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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