Liebestanz der Krokodile

Mit Massageöl das Weibchen überzeugen

Krokodile Kaiman
By Bernard DUPONT from FRANCE via Wikimedia Commons

Krokodile rufen Bilder von boshaften, gefährlichen Tieren hervor. Doch wenn es um Liebe geht, dann werden sie zu eleganten Tänzern.

Bevor sich ein Krokodil paaren kann, muss es zunächst ein Weibchen überzeugen. Zuerst beginnt das Krokodil zu kommunizieren. Dabei stößt es Infraschall-Laute aus. Also sehr tiefe Laute, die wir nicht wahrnehmen können. Dann zeigt das Männchen, was es so kann. Mit der Schnauze schlägt es aufs Wasser. Dazu schnauft es unter Wasser, so dass Luftblasen erscheinen. Dann wird es Zeit eine ölige Substanz abzusondern. Dieses Öl dient sozusagen als Massageöl. Denn Krokodile zeigen große Zärtlichkeiten bei der Paarung.

Hat sich das Weibchen überzeugen lassen, tauschen beide über Stunden Zärtlichkeiten aus. Lisa Signorille beschreibt das Paarungsverhalten in ihrem Buch „So macht es das Krokodil“. Demnach streicheln sich die beiden gegenseitig über Schnauze und Rücken und reiben sich nun mit der öligen Substanz ein. Sie versuchen sich zu besteigen und tauschen zärtliche Laute aus. Schließlich umschlingen sich die beiden im Wasser und vollziehen die Paarung.

Temperatur bestimmt das Geschlecht

Die Weibchen allerdings bleiben dem Partner nicht treu. Bereits innerhalb von wenigen Tagen paaren sie sich durchaus mit verschiedenen Männchen. Das haben Biologen herausgefunden, die Krokodil-Eier genetisch untersucht haben.

Die Eier selbst haben eine harte Kalkschale. Um den Eiern einen angemessenen Platz zu sichern, baut das Krokodil eine Nistgrube oder einen Nisthügel. Dazu dient vor allem Pflanzenmaterial, das allmählich verfault und dadurch für eine ideale Bruttemperatur sorgt. Die Höhe der Temperatur im Nest ist wichtig. Denn danach entscheidet sich, welches Geschlecht das Jungtier bekommt.

Bei den meisten Krokodilen schlüpfen bei einer mittleren Temperatur von 32 Grad Celsius Männchen. Sind die Eier dagegen im Nest etwas kühler oder wärmer entstehen Weibchen. Da die Temperatur in den Nisthügeln variiert, schlüpfen meist Jungtiere beider Geschlechter.

Ei-Knacker spielen

Die harte Eischale platzt allerdings nicht von allein. Und die Krokodile haben keinen Schnabel, mit dem sie gegen die Schale picken könnten. Statt dessen besitzen sie einen Eizahn an der Spitze des Oberkiefers. Damit lässt sich gegen die Schale hämmern. Doch häufig hilft die Krokodil-Mutter beim Knacken der Schale. Sobald es Zeit wird aus dem Ei zu kriechen, beginnen die Jungtiere zu quäken. Zeichen für die Mutter nachzuhelfen und Ei-Knacker zu spielen.

Die winzigen Kaimane schlüpfen aus dem Ei. Berührende Aufnahmen des britischen Naturforschers Attenborough. Die Mutter horcht nach den Lauten ihrer jungen in dem großen Nesthügel. Dann gräbt sie vorsichtig und legt die Kleinen frei. Bei manchen Eiern spielt sie tatsächlich Ei-Knacker. Forscher haben 18 Kommunikationslaute bei den Krokodilen ausgemacht. 

Die Jungtiere befinden sich noch nicht an der Spitze der Nahrungskette. Im Gegenteil. Fressfeinde lauern am Ufer wie auch im Wasser. Darum lässt die Krokodil-Mutter die Jungtiere nicht aus den Augen, bis sie groß geworden sind. Manchmal bewachen beide Elternteile ihren Nachwuchs.

Südamerikas größtes Raubtier

Die Krokodile im Amazonas-Becken unterscheiden sich von anderen Krokodilen dadurch, dass ihre Unterkieferzähne bei geschlossenem Maul nicht sichtbar sind. Diese Familie der Krokodile heißen Kaimane. Zu ihnen zählen auch die Alligatoren. Desweiteren zeichnen sie sich mit einer breiten Schnauze aus. Gaviale dagegen haben eine lange, dünne Schnauze. Und die dritte Familie der Krokodile, die Echten Krokodile, haben einen Unterkieferzahn, der auch bei geschlossener Schnauze zu sehen ist. Innerhalb dieser drei Familien unterscheiden Biologen 26 Arten.

Der größte Kaiman im Amazonas ist der Mohrenkaiman. Mit 6 Metern Länge ist er auch das größte Raubtier Südamerikas. Noch vor Jahren war er fast ausgestorben. Doch jetzt verbreiten sich die Mohrenkaimane wieder in den Regenwäldern Südamerikas. Ein weiterer Kaiman im Amazonas ist der Brillenkaiman. Ihn traf es am härtesten in den 50iger Jahren. Damals hatte es die Modewelt auf seine Häute abgesehen. Zig Millionen schlachtete man in wenigen Jahren ab.

Unbedacht schlafen kann tödlich enden

Krokodile stehen zwar an der Spitze der Nahrungskette, doch schlafen kann selbst für sie gefährlich werden. Denn es gibt noch jemanden am Ende der Nahrungskette: den Jaguar. Der schleicht auf leisen Pfoten und weiß, wo er zupacken muss. Als guter Schwimmer bewegt er sich auch im Fluss fast geräuschlos. Dann springt er auf den Rücken des schlafenden Krokodils und packt es im Nacken. So plötzlich aus dem Schlaf gerissen, ist das Krokodil wehrlos. Der Jaguar hat ein reichliches Mahl ergattert.

Jaguare gelten als Krokodiljäger. Besonders Sandbänke in den Flüssen des Amazonas-Becken sind ihr Jagdgebiet. Vor sich in der Sonne hindämmernde Kaimane reizen ihn besonders. Mit einem raschen Angriff aus dem Hinterhalt erweist er sich leicht als der Stärkere. Dann folgt der tödlich Biss in den Nacken.

Quellen:

  • Lisa Signorille: So macht es das Krokodil, München 2017. Originalausgabe: Il Coccodrillo Come Fa – La Vita Sessuale Degli Animali, Torino 2014
  • Thomas Ziegler: Entdecke die Krokodile, Münster 2017

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Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 150 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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