Jagdwaffen aus Froschgift

Das Gift der Pfeilgiftfrösche tötet auch den Menschen innerhalb von Minuten

Pfeilgiftfrösche - Blauer Pfeilgiftfrosch
I, Wildfeuer [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein winziger Frosch des Amazonas ist der größte Chemie-Waffenproduzent für die Indianer. Aus seinem Gift stellen die Indianer hochgiftige Pfeile her.

Im Regenwald sind viele Frösche giftig. Doch einer übertrifft sie alle. Das Gift der Pfeilgiftfrösche tötet auf grausame Weise. Selbst für den Menschen ist es tödlich. 

Vor allem darf man den bunt schillernden Frosch nicht berühren. Denn das Gift gibt der Frosch über die Haut ab. Und das Gift wird auch über die Haut wieder aufgenommen. Eine winzige Wunde wird dann zum Eingangstor für das lähmende Gift.

Dabei fallen ie Pfeilgiftfrösche sofort auf Grund ihrer leuchtenden Farben ins Auge. Die knalligen Farben wirken als Warnfarbe. Die Lurche werden deshalb auch Farbfrösche genannt. Sie gehören zu den Baumsteigerfröschen (Dendrobates). Diese leben ausschließlich in Mittel- und Südamerika. Ein Drittel von den etwa 300 Arten der Baumsteigerfrösche leuchten in bunten Farben. 



Doch den eigentlichen Namen Pfleilgiftfrösche haben sie, weil Indianer ihr Gift für ihre Jagdpfeile benutzen. Dabei erfordert es hohes Geschick und genaue Kenntnis wie man aus den Hautgiften der Frösche ein Pfeilgift herstellt. Meist waren es die Schamanen oder Menschen mit besonderen Kenntnissen, die das tödliche Nervengift herstellten. Manche Frösche enthalten allerdings so viel Gift, dass die Indianer ihre Blasrohrpfeile nur über den Rücken eines lebenden Frosches streichen müssen. 

 

Das Gift der Pfeilgiftfrösche kann 10 Menschen töten

Die Gifte unterscheiden sich bei den einzelnen Arten der Pfeilgiftfrösche. Das stärkste Gift heißt wissenschaftlich Batrachotoxin. Der Schreckliche Pfeilgiftfrosch (Phyllobates terribilis) besitzt dieses Gift in seiner Haut. Der winzige Frosch gehört damit zu den giftigsten Tieren der Welt. Die Giftmenge eines einzigen kleinen Frosches kann 10 Erwachsene Menschen töten. Batrachotoxin wirkt auf das Nervensystem. Es blockiert die neuromuskulären Funktionen und führt zu Lähmungen. 

Tödlich wirkt es aber erst, wenn es in die Blutbahn gerät. Bei einer Berührung mit dem Frosch können kleine Verletzungen der Haut ausreichen, damit das Gift ins Blut gelangt. Für die Frösche bildet das Gift in ihrer Haut vor allem Schutz gegen Pilze und Bakterien. Denn ihre Haut muss immer feucht bleiben. Damit wäre sie ein perfekter Nährboden für die Pilze und Bakterien. Diese aber würden die Haut zerstören. 

Die Frösche brauchen bestimmte Beutetiere, um das Gift erzeugen zu können. Die Substanzen für das Toxin erlangen sie beim Fressen bestimmter Ameisen oder Käfer. Doch auf welche Art die Frösche das starke Gift produzieren, ist bis heute nicht bekannt. 

 

Warum vergiften die Frösche sich nicht selbst?

Jetzt sind Forscher der Frage nachgegangen, warum die Frösche sich nicht selbst vergiften. Wie kann ihr nur 2 bis 5 cm kleiner Körper dem Gift widerstehen? Forscher der State University of New York sind dem Rätsel jetzt auf der Spur. Fünf Aminosäuren in einem bestimmten Protein der Giftfrösche unterscheiden sich von den Aminosäuren der anderen Frösche. Dabei fanden sie fanden heraus, welche der Aminosäuren die Zellen resistent gegen das Giftcocktail macht.

Sie waren überrascht, dass nur eine einzige Aminosäure die Resistenz hervorruft. Denn eigentlich hatten sie ein komplexes Zusammenspiel der Aminosäuren erwartet. 

Für die Jagdpfeile stellten Indianer noch andere Gifte her. Bekannt ist vor allem das Curare. Dazu extrahieren und mischen sie aus verschiedenen Pflanzen das Gift. Curare bewirkt eine Lähmung der Muskeln. Dies führt zum Atemstillstand und dann zum Tode. 

Der Tierreporter vom SRF – Schweizer Radio und Fernsehen nimmt den giftigsten Frosch der Welt auf seine Hand. Und das, obwohl der Schreckliche Pfeilgiftfrosch (Phyllobates terribilis) sein Gift über die Haut abgibt und dies auch über die Haut aufgenommen wird. Das Gift müsste den Reporter eigentlich innerhalb von Minuten grausam töten. Was aber geschieht hier?

 

Frosch-Männchen trägt Kaulquappen nach oben auf die Bäume

Das Weibchen des Blauen Pfeilgiftfrosches legt die Eier mit einem Gallerthaufen auf dem Waldboden ab. Danach bewacht das Männchen die Eiablage, bis die Kaulquappen schlüpfen. Dann kriechen sie von selbst auf den Rücken des Frosches. Und so geht´s hoch hinauf in einen Baum. Dort rutschen sie vom Rücken in den Blatttrichter einer Bromelie oder in ein Wasser gefülltes Baumloch. 

Wie in einem Miniatur-Aquarium entwickeln sich die Kaulquappen dort hoch oben. Dabei dient ihnen der feine Belag von Algen auf dem Wasser in dem Blatttrichter als Nahrungsquelle. Zur Abwechslung verzehren sie auch kleine Insekten, die in die Blüte fallen. Der Schwanz der Kaulquappe bildet sich mehr und mehr zurück. Mit der Zeit entstehen die Lungen. Und bald springt ein fertiger Pfeilgiftfrosch aus der Bromelien-Blüte. 

Das Erdbeerfröschchen  (Dendrobates pumilio) ist der rote Repräsentant der Pfeilgiftfrösche. In dem Film sieht man, wie eine Kaulquappe auf dem Rücken des Männchens den Baum hochgetragen wird. 

 

Einige Pfeilgiftfrösche vom Aussterben bedroht

Die Gattung der Baumsteigerfrösche (Dendrobates) und die Gattung der Blattsteigerfrösche (Phyllobates) bilden die Pfeilgiftfrösche. Dazu der seltene Punktierte Pfeilgiftfrosch (Oophaga histrionica). Diese Frösche leben in den tropischen Wäldern Süd-und Mittelamerikas. 

Viele der Frösche sind gefährdet. Denn Frösche reagieren besonders empfindlich auf Umweltverschmutzung. In den 70er Jahren stellten Forscher zum ersten Mal fest, dass die Froschpopulationen fast überall auf der Welt zurückgingen. Mittlerweile sind viele Arten ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Dafür macht man verschieden Faktoren verantwortlich: Umweltverschmutzung, Pestizide, UV-Strahlen und nicht zuletzt die globale Erwärmung. Indes scheint die Pilzkrankheit Chytridiomykose die größte Bedrohung zu sein. Der Pilz schädigt das Immunsystem der Frösche und führt zum Tode. 

So ist der Schreckliche Pfeilgiftfrosch auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft. Aber Händler importieren Pfeilgiftfrösche immer noch illegal nach Deutschland. Die Zollfahndung ist ihnen zumindest auf der Spur. 

 

Abzug der Guerilla öffnet den Dschungel für die Jäger

Doch jetzt hat die Gefährdung des Lurches gerade in Kolumbien stark zugenommen. Genau dort, wo sein sicherstes Verbreitungsgebiet ist. Und dafür ist ausgerechnet der Friedensprozess in Kolumbien verantwortlich. Denn auf Grund des Friedensvertrages geben die Farc-Rebellen ihre Waffen ab. Damit öffnet sich der Regenwald wieder für die Jäger des Pfeilgiftfroschs. Jetzt werden die Dschungelgebiete – über Jahrzehnte von den Guerilla kontrolliert – wieder zugänglich. Die Jäger des Lurches haben es vor allem auf das Abwehrgift in seiner Haut abgesehen.

„Damit haben ausländische Labors erfolgreich Schmerzmittel entwickelt. Diese haben ähnliche Eigenschaften wie Morphin, aber nicht seine Suchtwirkung“, heißt es in der Frankfurter Allgemeinen vom 14.03.2017. Zwar hat die kolumbianische Regierung Maßnahmen zur Überwachung der Dschungelgebiete entwickelt. Doch die Amphibien-Händler sind meist schlau genug, um diese Kontrollen zu unterlaufen. Allerdings unterliegen die Lurch-Jäger häufig einem Irrtum. Sie fangen die Kaulquappen, nicht wissend, dass die Frösche in Gefangenschaft kein Gift produzieren. Die Produktion des Giftes gelingt ihnen nur in ihrem natürlichen Umfeld. Dort ernähren sie sich von ganz bestimmten Insekten.

 

Engagement des Züricher Zoos

Der Zoo Zürich will gefährdete Froscharten durch Zucht erhalten. Deshalb engagiert sich der Zoo in einem Partnerprojekt mit dem Zoo in der kolumbianischen Stadt Cali in besonderer Weise. 

Der Zoo in der kolumbianischen Stadt Cali hält und züchtet bedrohte Froscharten im geschützten Bereich eines Amphibienzuchtzentrums. Der Zoo Zürich hat den Aufbau dieses Zentrums maßgeblich unterstützt. Bereits werden dort acht Arten gezüchtet, unter anderem die seltenen Pfeilgiftfroscharten Goldener Pfeilgiftfrosch und Lehmanns Baumsteiger. Das Amphibienschutz-Projekt umfasst ebenfalls wissenschaftliche Freilandarbeiten im Valle del Cauca sowie Informationsprogramme.
Auch im Zoo Zürich werden verschiedene Amphibienarten gehalten und gezüchtet. Dazu zählen hauptsächlich die Pfeilgiftfrösche aus den Regenwäldern Südamerikas und die Tomatenfrösche aus Madagaskar.

 



 

Naturforscherin entdeckt neuen Frosch

Im tiefen Dschungel in Peru hat die Biologin Jennifer Serrano einen neuen Frosch entdeckt. Sie war nachts mit einer Taschenlampe ausgestattet an einem Fluss im Manú Nationalpark plötzlich auf einen kleinen Frosch gestoßen. Erstaunlicherweise war dieser der Froschkennerin völlig unbekannt. Zurück auf der Forschungsstation suchte das Team in den offiziellen Froschbestimmungsbüchern nach diesem kleinen Repräsentanten seiner Art. Aber sie wurden nicht fündig. Denn in der Tat handelt es sich um eine bislang unbekannte Froschart. Und jetzt hat er auch einen wissenschaftlichen Namen: Ameerega shihuemoy. 

Noch stecken im Regenwald Rätsel und Geheimnisse. Je mehr Urwald hingegen rücksichtslos zerstört wird, desto mehr Unbekanntes dieses einzigartigen Lebensraum wird für immer vernichtet. 

 

 

 

 

Quellen:

Bildnachweise: 

 

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Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 124 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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