Kolibris: fliegende Edelsteine

Emsig und flink - Jeden Tag 3.000 Blüten aufsuchen

Kolibri
Kolibri von Gillfoto (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Kolibris brechen gleich mehrere Rekorde: Im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht besitzen sie das größte Gehirn. Und sie sind die einzigen Vögel, die rückwärts fliegen.

Kolibris haben eine äußerst schnellen Flügelschlag. Bis zu 80 Schlägen in einer einzigen Sekunde machen sie zu eleganten Flugkünstlern. Bei Windstille schweben sie sogar auf einer Stelle in der Luft. Dabei drücken sie mit ihren schnell schlagenden Flügeln die Luft nach unten, wie ein Propeller. Dann erfüllt ein Summen die Luft.

Dieser außergewöhnliche, ja einzigartige Flugstil kostet viel Energie. Bei ihrem einzigartigen Balzflug verbrauchen sie sogar noch mehr Energie. Deshalb sind sie immer auf Nahrungssuche. Denn sie benötigen ständig etwas zum essen. Ohne ihren Energiebedarf auffüllen zu können, wären sie schnell verloren. Mehr als 3.000 Blüten fliegt ein Kolibri deshalb am Tag an, um genug Nektar zu erlangen.

Viele der über 330 Kolibriarten sind auf bestimmte Blüten angewiesen. Ihre Schnäbel sind so einzigartig gebaut, dass sie den Nektar nur aus bestimmten Blüten holen können.

Insekten als Proteinzufuhr

Ihr langer Schnabel und ihre lange Zunge ermöglichen ihnen, im Flug Nektar tief aus einer Blüte zu saugen. Die Zunge schnellt dabei vor und zurück, um den Nektar aufzulecken. Dort im Blütenkelch fangen sie zudem kleine Insekten. Denn sie leben nicht nur vom Blütennektar. Kleine Spinnen und Insekten bilden die entscheidende Proteinzufuhr.

Die meisten Kolibriarten kommen in den tropischen Regenwäldern des Amazonas vor. In der exotisch-bunten Vogelwelt des Amazonas sind sie wohl die faszinierendsten Vögel. Doch 34 Arten sind in ihrer Existenz gefährdet.

Bei diesem Video kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Die Zeitlupe gibt Einblicke in nie gesehene Flugkünste der winzigen Vögel. Die winzigen Kolibris fliegen über riesige Entfernungen, um zum besten Blütennektar zu gelangen. 

 

Luftkämpfe um seltene Blüten

Bei dem hohen Bedarf an Blütennektar wird das Angebot manchmal knapp. Dann kommt es zu Luftkämpfen mit erstaunlichen Flugmanövern.

Überraschende Aufnahmen von Luftkämpfen der Kolibri. Diese Winzlinge sind nicht nur elegant flatternde Edelsteine. Wenn es um den Nektar in seltenen Blüten geht, dann wird im Fliegen gekämpft. Diese Aufnahmen sind faszinierender wie jede Flug-Show auf einem Flughafen. Solche Kämpfe traut man den glitzernden Vögelchen gar nicht zu. 

Vor allem kämpfen die Winzlinge um besonders ergiebige Blüten. Denn nur wenn sie ständig Nektar saugen, bleiben sie am Leben.

Melanie Barboni ist so fasziniert von den Kolibris, dass vor ihrem Fenster mittlerweile 200 der flatternden Winzlinge ihre Künste zeigen. Für die Forscherin hat die Natur (Mother Nature) mit dem Kolibri ein perfektes Juwel geschaffen. Die Kolibris sind ständig mit essen beschäftigt. Denn jeden Tag müssen sie 8 bis 10 Mal ihr Körpergewicht in Nektar zu sich nehmen. 

Energie-Sparmeister

Kolibris sind Energie hungrig. Wenn sie nicht genügend Nektar bekommen, befinden sie sich schnell am Limit. Sie müssen also mit ihrer Energie haushalten. Doch hunderte oder gar tausende Blüten am Tag anzufliegen, ohne zu wissen, ob es sich um eine gefüllte Blüte handelt, wäre Energieverschwendung. Um nicht in Energiemangel zu kommen, fliegen sie keine Blüte zweimal an. Das erstaunt. Woher wissen sie, welche Blüte keinen Nektar mehr hat? Wie können sie sich merken, an welcher Stelle sie bereits waren? Noch ist diese Fähigkeit ein großes Rätsel.

Manche Ornithologen meinen, sie hätten eine mentale Landkarte. Sie orientierten sich an geografischen Markierungspunkten. Doch es kommt noch eine weitere Merkwürdigkeit hinzu. Kolibris besuchen eine Blüte dann zum zweiten Mal, wenn diese sich wieder mit Nektar gefüllt hat. Das dauert meist einige Wochen. Bislang besitzen diese Winzlinge der Vogelwelt also manches Geheimnis.

Stimmtalente

In der gesamten Tierwelt ist stimmliches Lernen sehr selten. Als stimmliches Lernen bezeichnen Wissenschaftler die Fähigkeit akustische Informationen für die eigene Stimmproduktion zu verwerten. Und Kolibris beherrschen dies. Sie nehmen von außen kommende akustische Signale auf und nutzen diese für ihre eigene musikalische Produktion.

Dies stimmliche Lernen gilt als wesentliche Grundvoraussetzung für Sprache. In der Tierwelt gehören sie damit zu einer sehr kleinen Zahl von Tieren, die diese komplexe stimmliche Lernfähigkeit besitzen. Bekannt dafür sind vor allem die Papageien. Doch auch Delfine, Singvögel und eben die Kolibris sind dazu in der Lage.

Quellen:

Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 131 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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