Moskitos ausrotten?

Gentechnik gegen schlimmste Feinde des Menschen einsetzen?

Stechmücke Moskitos ausrotten?
Flixus at the German language Wikipedia

Stechmücken verantworten jedes Jahr den Tod von über 400.000 Menschen. Sollte man die Moskitos ausrotten?

Kein Lebewesen auf der Welt ist dem Menschen ein so großer, Schmerz und Tod bringender Feind wie die winzigen Stechmücken, auch Moskitos genannt. Diese kleinen Quälgeister hinterlassen nicht nur lästig juckende Stiche.

Die Blutsauger übertragen schlimmste Krankheiten. Jedes Jahr infizieren Moskitos mehr als 200 Millionen Menschen mit Malaria. Dagegen gibt es keine Schutzimpung. Wer von der Malariamücke Anopheles mit der Krankheit infiziert ist, dem helfen allein teure Medikamente. Und die müssen umgehend eingenommen werden.

Doch Millionen Menschen in Südamerika, Afrika oder Asien haben keinen Zugriff auf diese wertvollen Medikamente. Die Folge: 445.000 Tausend Menschen starben 2016 an der Malaria. Besonders hart trifft es die Menschen in Afrika südlich der Sahara. Doch auch eine Reise in den tiefen Amazonas Dschungel kommt immer noch einem Vabanquespiel gleich. Mir selbst waren im peruanischen Regenwald die Moskitos eine unbeschreibliche Plage. Unzählige dieser lästigen Blutsauger stürzten sich ständig auf mich. Jaguaren, giftigen Schlangen oder Spinnen dagegen begegnete ich nicht.

Malaria trifft besonders Kinder
World Health Organization (WHO)

Russisches Roulett im Dschungel

Doch die Moskitos spielen mit jedem im Urwald russisches Roulett. Denn welcher Stich Krankheitserreger ins eigene Blut trägt, weiß man nicht.

Wir waren offenbar zur falschen Jahreszeit in der falschen Dschungel Region. Denn die Moskitos sausten ununterbrochen wie kleine Kampfmaschinen auf uns ein. Alexander von Humboldt, der große Naturforscher des 19. Jahrhunderts, litt ebenfalls fürchterlich unter den Moskitos. Nachts grub er sich bis zum Kopf in den Sand ein. Sicher, ein Stand-by-Mittel gegen Malaria hatten wir immer in der Tasche. Doch die Menschen vor Ort trifft ein verseuchter Moskito-Stich oft ohne das rettende Medikament.

Die eigentlichen Verursacher des Leids aber sind die Krankheitserreger. Sie suchen sich die Moskitos als Überträger ihrer schrecklichen Krankheiten aus. Neben Malaria übertragen so einzelne Arten der Stechmücken Denguefieber, West-Nil-Fieber oder die Zika-Infektion.

Der englische Ökologe Michael Jeffries hat in der GEO die Frage aufgeworfen, ob wir die Stechmücken ausrotten sollten. Bringen sie irgendeinen Nutzen oder stünden wir ohne diese Plagegeister insgesamt besser dar?

In der Tundra auf Mückenschwärme angewiesen

Die Verteidiger der Stechmücken heben ihren Nutzen hervor. So leben bestimmte Pfeilgiftfrösche in den Regenwäldern Südamerikas von den Larven der Moskitos. Ebenfalls von den Larven lebt der Koboldkärpfling, auch unter dem Namen Moskitofisch bekannt.

Und die Mücken selbst bilden in der arktischen Tundra ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. In den wenigen Sommermonaten sind die Zugvögel offenbar auf die riesigen Mückenschwärme angewiesen. So erfüllen die Stechmücken in den Tundren eine wichtige Rolle. Woanders allerdings wären die Nebenwirkungen der Ausrottung der Mücken überschaubar.

Insgesamt leben 3.500 Spezies von Stechmücken auf der Erde. Davon sind es nur einige Arten, die die feindlichen Armeen gegen die Menschen bilden.

Einsatz von DDT wirkungsvoll

In den 60er Jahren hatte man bereits ein Mittel gegen die Plagegeister gefunden. Und regional waren die Mücken damit ausgerottet. Das Mittel hieß DDT. Doch der Großeinsatz von DDT hatte weitreichende Folgen. Andere Tierarten erlitten ernsthafte Schäden. Das Gift reicherte sich in der Natur wie auch in den Menschen an.

Moskitonetz bietet effektiven Schutz
WHO/S.Hollyman

Moskitofisch weltweit im Einsatz

Seither probiert man andere Maßnahmen, mit denen die Stechmücken ausgeräumt werden sollen. Biologische Bekämpfungsmethoden stellen dabei ein unumstrittene Methode dar. So hat man Koboldkärpflinge künstlich angesiedelt. Dieser 4-7 cm lange Fisch passt sich sehr gut an unterschiedlichste Umweltbedingungen an. Die Koboldkärpflinge spielen mittlerweile eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Malaria. Denn sie verzehren einen Großteil der Mückenlarven. Der kleine Fisch bekam daraufhin den Namen Moskitofisch (mosquitofish).

Ursprünglich stammt der Moskitofisch aus den südlichen USA und Mexiko. Inzwischen ist er nahezu weltweit verbreitet. Da es ein sehr genügsamer Fisch ist, lässt er sich auch in Gewässern mit niedriger Wasserqualität oder wenig Sauerstoffgehalt ansiedeln. Die Larven der Malariamücke stehen oben aus seinem Speiseplan. Doch nun weiß man auch, er ernährt sich nicht ausschließlich von den Larven der Anopheles. So verzehrt er zum Beispiel auch Kaulquappen und die Eier von Amphibien. Und trotz seiner geringen Größe gelingt es ihm autochtone Arten aus lokalen Ökosystemen zu verdrängen.

Waffen aus dem Arsenal der Gentechnik?

Als sehr wirkungsvoll hat sich erwiesen, Mückenmännchen in ihrem Erbgut zu verändern. Damit können sie nur noch Nachkommen zeugen, die nicht überleben. Wenn die genmanipulierten Männchen in großer Zahl ausgesetzt werden, brechen gesamte Populationen zusammen.

Doch selbst diese Waffen zeigen nur begrenzte Wirkungen.

Wie also die stärksten Feinde der Menschen endgültig vernichten? „Für diesen Kampf müssten wir weiter aufrüsten, vielleicht mit neuen Waffen aus dem Arsenal der Gentechnik“, schreibt Jeffries. Doch er scheint nicht überzeugt, dass wir uns die Ausrottung ganzer Arten zumuten sollten.

Es ist ein Paradox. Die Menschheit rottet durch die eigene Lebensweise immer mehr Arten aus. Die Artenvielfalt schrumpft weltweit erschreckend. Doch die Stechmücken passen sich mit ungeheurer Penetranz an veränderte Lebensräume an. Und große Verluste werden schnell wieder wett gemacht. Dazu braucht nur eine kleine Population zu überleben.

Sollten wir weiter aufrüsten, auch mit den Mitteln der Gentechnik? Oder uns weiterhin mit den übertragenen Krankheiten abfinden?

Abwehr mit einfachen Mitteln

Moskitonetz wirkungsvoll
Foto: WHO/S.Hollyman

Bildernachweise:

  • Stechmücke: Wikimedia Flixus at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Quellen:

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Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 150 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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