Tukan: Symbol der Exotik

Wozu aber braucht er den riesigen Schnabel?

Tukan
Riesentukan (Ramphastos toco) Foto: Swiss Hippo / fotolia

Der Tukan ist zum Symbol für die bunte Exotik des Amazonas-Regenwalds geworden. Doch sein riesiger, prachtvoller Schnabel gibt Rätsel auf.

Tukane sind lebhafte und gesellige Spechtvögel, die gern in den Zweigen herum klettern und von Ast zu Ast hüpfen. Im Amazonasgebiet kommen sie besonders zahlreich vor. Dort gibt es Dutzende unterschiedliche Arten. Sie halten sich vorwiegend in den hohen Baumwipfeln auf. Einen Tukan zu fotografieren war deshalb im Dschungel nicht einfach. Man braucht schon ein starkes Tele und muss damit die Baumkronen absuchen.

Tukane gehören zu den lautesten Vögeln im Regenwald. Ihr Gesang wird häufig als melancholisch bezeichnet und ertönt vor allem im Morgengrauen und am späten Nachmittag.

Hervorstechend ist zudem der große, bunte Schnabel des Tukan. Insbesondere dem Riesentukan (Ramphastos toco) gibt der übergroß erscheinende Schnabel sein exotisches Aussehen.

Den Schnabel nutzen Vögel vor allem um Nahrung aufzunehmen. Insofern zeigen Form und Größe der Schnäbel was ein Vogel frisst. Anders ausgedrückt, der Schnabel bestimmt die Nahrung. Greifvögel zum Beispiel können mit ihrem Schnabel Fleisch aufreißen. Papageien dagegen nutzen ihre Schnäbel dazu harte Kerne aufzuknacken. Und Seeschwalben etwa packen mit ihrem Schnabel Fische aus dem Wasser.

Der Schnabel eines Tukans ist ebenfalls an seine Ernährungsweise angepasst. Mit der Spitze seines großen Schnabels greift der Tukan kleine Früchte oder Insekten und lässt sie in seinen Schlund fallen. Denn die Tukane ernähren sich überwiegend von Früchten und Beeren. Der gewaltige Schnabel kann eine Länge von über 20 cm erreichen. Dabei besteht der klobig erscheinende Schnabel aus Waben artigem Knochengewebe. Und er ist viel leichter, als seine Größe vermuten lässt.

In diesem Video sieht man wie unterschiedlich Tukane gefärbt sind. Die Hintergrundmusik lässt sich ja abstellen, falls sie nervt.

 Riesiger Tukan Schnabel: Rätsel gelöst?

Welche weiteren Vorteile ein Tukan von seinem großen Schnabel hat, war den Wissenschaftlern bisher ein Rätsel. Denn Früchte zu packen und in den Schlund zu befördern dazu hätte auch ein kleiner Schnabel gereicht. Vielleicht schüchtert der mächtige Schnabel andere Vögel ein? Charles Darwin jedenfalls war überzeugt, solch ein prachtvoller Schnabel müsste attraktiv sein im Werben um den Partner. Und der große deutsche Amazonas-Forscher Alexander von Humboldt vermutete in dem gigantischen Schnabel ein Fischfanggerät.

Doch jetzt haben brasilianische und kanadische Wissenschaftler herausgefunden, wozu der große Schnabel tatsächlich gut ist. Demnach reguliert der Tukan mit seinem Schnabel seinen Wärmehaushalt. Dazu untersuchten sie den Schnabel des Riesentukan. Denn er hat den allergrößten Schnabel. Mit Infrarot Wärmebildtechnik machten die Wissenschaftler zunächst die Temperaturentwicklung im Schabel sichtbar. Dann maßen sie die Oberflächen-Temperatur des Schnabels, während sie die Lufttemperatur änderten.

Sobald die Raumtemperatur stieg, erhitzte sich der Schnabel. Damit leitete er die Hitze aus dem Körper ab. Dies bewerkstelligen Blutadern im Schnabel. Der Blutdurchfluss kann erhöht oder verringert werden. So macht es sich ein Tukan im tropischen Wald auch nachts kühl. Zudem legt der Tukan beim Schlafen den Schnabel auf seinem Rücken ab. Dabei sieht es aus, als würde er sich einigeln.

Wie brachte es der Riesentukan zu seiner großen Berühmtheit?

„Ein Elefant benutzt seine Ohren, um Hitze abzuleiten“, sagt Glenn Tattersall, Biologie Professor an der Brock University. Mäuse gebrauchen dazu ihren Schwanz und ein Tukan hat dazu seinen großen Schnabel. Damit ist die These widerlegt, dass Tukane ihren Schnabel ausschließlich zum Fressen und zum Anlocken der Weibchen besitzen. Und das trifft dann wohl auch auf andere Vögel zu. Und das umso mehr, weil Vögel nicht schwitzen. Sie müssen also andere Wege finden, um sich vor Überhitzung zu schützen. Zumindest wenn sie einen größeren Schnabel besitzen, ist dies wohl ihr Temperaturregler.

Doch es gibt noch eine weiteres Rätsel. Wie schafft es ein Tukan mit dem großen Schnabel nicht vorn über zu kippen? Beträgt doch der Schnabel ein Drittel der Körperlänge. Der monströse Schnabel ist beinahe gewichtslos. Er bringt nicht einmal fünf Prozent des Körpergewichts des Vogels auf die Waage. Dieses Leichtgewicht hat den Materialwissenschaftler Marc Meyers von der Universität in San Diego fasziniert. Er sieht hier für Flugzeugbauer ein interessantes Vorbild. Denn das schaumartige Material des Schnabels ist leichter als Kork, aber äußerst stabil.

Von den 45 Tukanarten hat es der Riesentukan zu großer Berühmtheit gebracht. Von Anfang an faszinierte seine Farbenpracht am meisten. So waren es auch die Riesentukane, die europäische Ornithologen als erstes beschrieben. Und auch heute noch finden sich meistens Riesentukane in Zoos und Vogelparks. Hinzu kommt, dass sie leichter zu halten sind und sich häufiger in Gefangenschaft vermehren als andere Tukanarten.

Sehr schöne Aufnahmen von Tukanen wie sie in ihr Baumnest verschwinden. 


Steckbrief Tukan – Bio Fakten

Familie: Tukane (Ramphastidae) sind eine Vogelfamilie aus der Ordnung der Spechtvögel

Gattungen: Sechs Gattungen mit 45 Arten

Größe: mittelgroß bis große Vögel, mit kurzen Flügeln und langem Schwanz. Körperlänge: 35–65 cm.

Verbreitung: Tropische Regenwälder des Amazonas Flachlands und Bergwälder. Auch in Teilen Mittelamerikas und auf der Karibik-Insel Trinidad.

Herausragendes Charakteristikum: Großer, knallig bunter Schnabel. Macht etwa ein Drittel der Körperlänge aus. Aber ein Leichtgewicht.

Ernährung: vorwiegend von Früchten, aber auch Insekten, Spinnentiere und sogar kleine Reptilien. Verschmähen auch keine Vogeleier. Dazu rauben sie hin und wieder Vogelnester aus.

Soziales Verhalten: Nisten in Baumhöhlen und leben mit einem Partner zusammen.

Name: Der Name „Tukan“ hat seinen Ursprung in den Indianer-Sprachen der Tupi und Guaraní.


Vogeleltern ziehen geschlüpfte Jungen gemeinsam auf

Zum Brüten suchen sie sich eine Baumhöhle. Ihre Nisthöhlen sind aber so gut versteckt oder schwer zugänglich, dass bislang über das Brutverhalten wenig bekannt ist. Zwei bis vier weiße Eier legen sie in ihr Nest. Beide Eltern sehen gleich aus und versorgen die geschlüpften Jungen gemeinsam.

Der größte Tukan wird Riesentukan genannt. Kein Wunder, denn sein Schnabel macht mit bis zu 22 cm mehr als ein Drittel seiner gesamten Länge aus. Doch er hat noch einen weiteren Spitznamen. Er liebt nämlich Paprikaschoten. Deshalb nennen ihn manche auch „Pfefferfresser“.

Fischertukan Tukan
Fischertukan (Ramphastos sulfuratus): By Brian Gratwicke via Wikimedia Commons

Angeblich ist der Fischertukan weit davon entfernt wie ein Vogel singen zu können. Seine Stimme soll eher dem Quaken eines Frosches ähneln. Nachgemacht soll es sich etwa so anhören: quenky quenky quok quok quok. Obendrein äußert er sich noch mit einem Klappern, das an Kastagnetten erinnert. Das Klappern macht aber nicht sein Schnabel. Sondern er erreicht es mit seiner Stimme.

45 Tukanarten mit unterschiedlichen Farben

Neben dem Riesentukan lebt im südamerikanischen Regenwald der Fischertukan (Ramphastos sulfuratus). Er besitzt im Kehlbereich eine knall gelbe Färbung. Auch sein großer Schnabel leuchtet farbenfroh. Doch ist so ein buntes Gefieder der Tukane nicht viel zu auffällig? Wo es doch im Tierreich um eine schützende Tarnung geht? Erstaunlicherweise nimmt man die Glanzvögel nicht so einfach wahr. Denn die Farbmuster lösen die Körperkonturen auf. Anstelle eines klar umrissenen Körpers erkennt man nur Farbflecke. Und diese ähneln Blüten oder Früchten.

Leistenschnabeltukan Tukan
Leistenschneidertukan Public domain via Wikimedia commons

Nicht ganz so brillante Farben hat der Leistenschnabeltukan  (Andigena laminirostris). In der Tat unterscheiden sich die Tukane zum Teil sehr stark in ihrer Farbgebung.

Gelbohrarassari Selenidera spectabalis Tukan
Gelbohrarassari

Der Gelbohrarassari kommt in Mittel-und Südamerika vor. Er gehört zur Gattung der Kurzschnabeltukane (Selenidera).

Tukan Blautukan
Blautukan By Dominic Sherony, via Wikimedia Commons

Der Blautukan (Andigena hypoglauca) lebt in Wäldern oben in den Anden. Er ist sehr selten und entsprechend wenig weiß man über sein Verhalten.

Die Tukane hatten und haben für viele Indigenas eine besondere Bedeutung. Kein Wunder, dass der Name Tukan von südamerikanischen Indianersprachen der Tupi und Guaraní abstammt. Die Indianer ziehen häufig kleine Tukane auf und dann behalten sie diese als Haustiere. Zudem schätzen sie das Fleisch der Tukane und nutzen die bunten Federn als Schmuck.

Hier geht´s zum Tukan Song für Kinder

Quellen:

Bildnachweise:

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Bernd Kulow
Über Bernd Kulow 150 Artikel
Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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