Papageien: Ratgeber in Sachen Liebe

Ihre Sprachfähigkeit ist faszinierend

Zwei Aras in Brasilien im Regenwald
Aras: von RoFra (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Papageien sind sich ein Leben lang treu. Doch Einfamilienhaus ist nicht angesagt. Sie leben als Kleinfamilien zusammen in großen Gruppen.

Die Papageien hätten Vorbild in den 70iger Jahren sein können, als die Kleinfamilie in weiten Kreisen verpönt war. Man suchte nach neuen Lebensformen, gemeinschaftlichen Formen. In der Tat sind Papageien vollständig monogam und leben doch in großen Gruppen.

Unter den Papageien gibt es denn auch keine Playboys. Die Männchen sind alles treu sorgende Familienväter. Haben sich Weibchen und Männchen gefunden, bleiben sie ein Leben lang zusammen. Und das kann lange dauern. Papageien werden bis zu 30 Jahre alt. Silberne Hochzeit ist also nichts seltenes.

Die Nussknacker des Regenwalds

Scharen von Gelbbrustaras und Amazonen knabbern mit ihren großen Papageienschnabeln an einer Lehmwand. Es ist die größte Lehmlecke der Welt, mitten im peruansichen Tambopata-Regenwald. Die Papageien zieht es von Zeit zu Zeit an diese Lehmlecke. Der Lehm dient ihnen allerdings nicht als Nahrung, wie man früher glaubte. An der Lehmlecke suchen sie nach Heilung.

Denn im Regenwald ist die Nahrung der Papageien sehr vielfältig. Dabei werden schon mal Blätter, Früchte oder Samen geschluckt, die Giftstoffe in sich haben. Die Mineralstoffe im Lehm helfen den Papageien die Gifte unschädlich zu machen.

Auf der Erde leben etwa 370 Papageienarten. Die berühmtesten sind wohl die Aras und Amazonen in Mittel- und Südamerika. Die Aras sind die größten aller Papageien. Der kobaltblaue Hyazinth-Ara überragt sie alle.

 

Papageien: Ratgeber in Sachen Liebe
Zwei Aras: von dronepicr (Papagei Aras) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Rio 2 – Dschungelfieber

Aufgrund ihrer Sprachfähigkeit und ihrer Intelligenz, ihres großen, farbenprächtigen Federkleids üben die Papageien auf Menschen einen besonderen Reiz aus. Dieser Reiz führte dazu, dass Papageien bereits seit Jahrhunderten von Menschen als Haustiere gehalten werden. Nicht nur die nach Südamerika eingewanderten Europäer faszinierten die bunten Vögel. Bei den Indianern waren sie genauso beliebt. Als Hausgenossen sind sie in unterschiedlichen Kulturen begehrt.

Insofern wundert es auch nicht, dass Papageien in Filmen Hauptrollen spielen. Ein sehr schönes Beispiel ist der Film Rio, besonders die zweite Folge Rio 2 – Dschungelfieber. Die Hyazinth-Aras stehen im Mittelpunkt des Films mit moderner Animationstechnik. Die Geschichte hat den Anspruch, die aktuelle Lage der Zerstörung der Regenwälder in Brasilien zu vermitteln. Deutlich wird die Gefährdung der Hyazinth-Aras.

Und natürlich spielt in dem Film Rio 2 die Liebe eine tragende Rolle. Trotz unterschiedlicher Bedürfnisse und Verwicklungen bleiben die beiden Hyazintharas zusammen.

Der peruanische Schriftsteller und Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa scheint in seinem Buch „Der Geschichtenerzähler“ ebenfalls dem Reiz der Papageien erlegen zu sein.

„Da erinnere ich mich. Jeder Mensch, der geht, hat sein Tier, das ihm folgt, ist es nicht so? Auch wenn er es nicht sieht oder es nicht zu erraten vermag. Je nachdem, was er ist, je nachdem, was er tut, wählt die Mutter des Tieres ihn aus und sagt zu ihrem Jungen: Dieser Mensch ist für dich, pass auf ihn auf.

Das Tier wird sein Schatten, so scheint es. Das meine war der Papagei? Ja, das war er. Ist es nicht das Tier, das spricht? Ich wusste es, und mir schien, dass ich es schon vorher gewusst hatte. Weshalb hätte ich sonst immer eine Vorliebe für die Papageien gehabt? Oft hielt ich auf meinen Reisen inne, um ihrem Geschwätz zu lauschen, und lachte über ihr Flügelschlagen und ihr lautes Getöse. Wir waren als Verwandte, vielleicht.“

Die Papageien Südamerikas:

Papageien Südamerika
Papageien: By Geoff Gallice from Gainesville

Papageien fühlen sich in den unterschiedlichsten Lebensräumen zu Hause. So trifft man nicht nur in den Bergen Neuseelands oder Äthiopiens auf Papageien. Sie begegnen einem ebenfalls in den Regenwäldern Neuguineas oder eben in den Urwäldern des Amazonas-Beckens.

Braunkopfsittiche (Aratinga weddellii)

Weiße Ringe um die Augen sind die Markenzeichen der Braunkopfsittiche. Und ihr Name weist auf den graubraun gefärbten Kopf der Sittiche. Entlang der Flüsse des Amazonas-Beckens finden die Sittiche Samen, Früchte und Beeren, die ihre Nahrung ausmachen. Nebenher verspeisen sie auch mal Insekten.

Dort wo die Ufer der Amazonas-Flüsse abgebrochen sind, suchen sie Mineral haltige Erde. Deshalb halten sie sich vorwiegend in der Nähe dieser Bruchufer auf. Denn die Mineralien sind für sie lebensnotwendig. Sie finden ihren Lebensraum vorwiegend in den Regenwäldern der Länder Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien.

Wie die meisten Papageien sind die Braunkopfsittiche sehr soziale Vögel. Sie bleiben eng beieinander in größeren Gruppen. Und dabei kraulen sie sich gegenseitig ihr Gefieder. In abgestorbenen Bäumen zimmern sie ihre Nesthöhlen. Oft beinhaltet ein solcher Baum gleich die Höhlen mehrerer Sittich-Paare. Dann leben sie sozusagen in Reihenhäusern.

Dort brüten die Weibchen etwa 3 Wochen lang bis zu fünf Eier aus. Danach versorgen beide Elternteile die jungen Papageien.

Hyazintharas (Anodorhynchus hyacinthinus)

Arara Azul Papagei
By Leonardo Ramos (Own work) via Wikimedia Commons

Der Hyazinthara übertrifft nicht nur alle Papageien mit seiner enormen Körpergröße. Sein mächtiger Schnabel ist mindestens ebenso beeindruckend. Damit knackt er die härteste Nuss. Selbst von den besonders harten Palmfrüchten lässt er sich nicht abschrecken. Dann greifen zumindest die schlauen unter ihnen schon mal in die Werkzeugkiste des Dschungels. Sie klemmen ein kleines Holzstück oder ein Rindenteil zwischen Kern und Schnabel. Dabei nutzen sie die Hebelwirkung. Damit sind sie die Könige der Nußknacker im Regenwald.

Sie leben vor allem im Pantanal in Brasilien. Dort finden sie halboffenen Laubwald und sumpfige Gebiete. Wie die meisten anderen Papageien verbringen sie die meiste Zeit in einem größeren Schwarm mit bis zu 30 Artgenossen. Zur Brutzeit aber sondern sie sich mit dem Partner ab. Wie Spechte brüten sie in Baumhöhlen.

Amazonas-Grünbürzel-Sperlingspapagei (Forpus p. deliciosus)

Die Sperlingspapageien sind die Kleinsten unter den Papageien Südamerikas. Daher rührt auch der Name. Sie gleichen von ihrer Größe her den Spatzen. Doch nicht nur die Größe erinnert an Spatzen. Sie kommen auch in großen Scharen daher und bewohnen Parks und Gärten der Städte.

Doch ihre ursprüngliche Heimat sind die Ufer des Amazonas. Dort suchen sie auf dem Boden nach Grassamen. Zum Übernachten allerdings sammeln sie sich in hohen Bäumen. Beim Nestbau sind sie sehr erfinderisch. Selbst in Weidenpfählen hat man schon ihre kleinen Höhlen gefunden.

Schwarzohrpapageien (Pionus m. menstruus)

Schwarzohrpapagei
Schwarzohrpapagei: By Haplochromis (Own work) via Wikimedia Commons

Schwarzohrpapageien bilden große Schwärme. Dazu finden sich durchaus bis zu 1.000 Vögel zusammen. Wenn sie dann an einer Lehmlecke einfallen, gibt es ein Gerangel um den besten Platz.

Die Schwarzohrpapageien sind äußerst flexibel und passen sich an unterschiedliche Lebensräume an. In weiten Teilen Südamerikas finden sie ihr Habitat. Doch auch in Mittelamerika sind sie anzutreffen.

Ihre Lieblingsfrucht ist die Guave. Ansonsten verzehren sie Samen, Beeren, Knospen oder Blüten. Die großen Schwärme rufen bei Gärtnern und Landwirten keine Euphorie hervor. Ganz im Gegenteil.

Die Papageien werden als Plage empfunden und verfolgt. Die Schwarzohrpapageien sind deshalb sehr scheu.

Ihr lateinischer Name deutet auf das Wort Menstruation hin. Denn der blutrote Steiß der Papageien schafft die Verbindung zur Regelblutung. Ansonsten fällt besonders der blaue Kopf auf, der sich vom grünen Gefieder absetzt.

 

Quellen:

  • Mario Vargas Llosa: „Der Geschichtenerzähler“, aus dem Spanischen 1987
  • Matthias Reinschmidt und Karl-Heinz Lambert: Papageien der Welt, Stuttgart 2006

Bildnachweise:

Bernd Kulow
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Als Journalist gestalte ich diese Webseite. Gearbeitet habe ich für dpa, DIE ZEIT, stern, Frankfurter Rundschau, Hörfunk und Fernsehen. Der Regenwald hat mich von klein auf fasziniert. Mehrfach war ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Dabei hat der Amazonas Dschungel den stärksten Eindruck hinterlassen. Heute lebe ich als freier Journalist, Fotograf und Webdesigner im schönen Freiburg. Ich danke allen, die über die Werbebanner und -links bestellen. Damit unterstützen Sie meine Arbeit für diese Webseite ohne selber Nachteile zu haben.Wir dürfen diesen wertvollen Wald nicht weiter vernichten. Action! Tun wir etwas dagegen.

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