Trotz massig Zucker keine Karies

Was hält die Zähne der Fledermäuse gesund?

Fledermaus Karies
Foto: Seregraff / fotolia

Fledermäuse essen viel Süßes. Doch die Zähne bleiben weiß und gesund, ohne Karies. Forscher sind dem Phänomen jetzt auf der Spur.

Fledermäuse lieben Früchte. Jedenfalls die Fruchtfledermäuse der Karibik. Deshalb müssten sie eigentlich von Karies geplagt sein. Zumal sie extrem süße Früchte essen. Feigen mit hohem Zuckergehalt. Doch ihren Zähnen schadet das nicht. Mit anderen Worten: Karies ist der Fledermaus völlig fremd.

Wie aber erhält sie ihre Zähne gesund? Hat sie einen bestimmten Stoff im Speichel, der gegen die Karies-Bakterien vorgeht? Oder liegt es an der Ausformung des Zahnbelages?

Die Jamaika-Fruchtfledermaus frisst pro Nacht bis zu fünfzehn sehr süße Früchte. Der Saft der Früchte enthält dreimal so viel Zucker wie Apfelsaft. Dennoch schadet der massive Zuckerkonsum ihren Zähnen nicht. Wissenschaftler aus Ulm untersuchten in Panama die nachtaktiven Fruchtfledermäuse in ihrem natürlichen Lebensraum.




Die Zahn-Befunde der Fruchtfledermäuse waren für Professor Bernd Haller von der Universitätsklinik für Zahnerhaltungskunde in Ulm erstaunlich. Von 230 untersuchten Tieren fanden die Wissenschaftler nur bei sechs Karies. Und das immer nur in Verbindung mit Zahn-Verletzungen. Wenn etwa ein Zahn abgebrochen war. Selbst Plaque-Befall war absolut selten. Unter diesen Bakterienbelägen bildet sich sonst häufig Karies. Heißt es in einer Beschreibung zu dem Bericht auf swr.de.

Rätsel Fledermaus Karies: Substanz im Speichel oder Lotus-Oberfläche?

Anfangs suchten sie die Lösung im Speichel der Fledermäuse. Enthielt dieser Bakterien tötende Substanzen? Zuerst einmal Fehlanzeige. Aber als die Wissenschaftler sich die Struktur der Fledermaus-Zähne genauer anschauten, machten sie eine interessante Entdeckung.

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Die Zahnoberfläche der Fledermäuse weist eine leichte Noppen-Struktur auf. Diese erzeugt eine ähnliche Wirkung, wie die Oberflächenstruktur von Lotus-Blättern. Bei diesen Blättern perlt das Wasser ab und reinigt somit das Blatt. Dieser Mechanismus sorgt offenbar für die „automatische Zahnreinigung“ bei der Fruchtfledermaus. Dadurch spielt die Zahnschmelz-Oberfläche der Fledermaus eine entscheidende Rolle beim Karies-Schutz.




Jetzt hoffen die Wissenschaftler diese Erkenntnisse für den Karies-Schutz beim Menschen nutzbar zu machen. Erste Vorstellungen gehen in Richtung Nano-Technologie. Die Forscher fragen sich, ob es machbar wäre, Zähne mit einer Nano-Oberfläche zu überziehen. Diese Nano-Oberfläche hätte dann eine Oberflächen-Struktur entsprechend der Zahnoberfläche der karibischen Fledermäuse.

113 Liter Cola. Wie viel Zucker da wohl drin steckt? Die jamaikanische Fruchtfledermaus mag es extra süß. Die Tiere lieben süße Feigen und ernähren sich fast ausschließlich davon. Was sie davon pro Nacht naschen, entspricht der Zuckermenge, die in 113 Litern Cola steckt. Das entspricht 12 Kilo reinem Zucker. So jedenfalls erklärt es Benjamin Stegmann von der Uni Ulm in diesem Video. Das erscheint mir äußerst viel Zucker in einer Nacht für eine Fledermaus.

Doch nicht alle Fledermaus-Arten ernähren sich mit hohen Zuckermengen. Jedenfalls fressen die Fledermäuse in Europa vorwiegend Insekten. Selbst in Mittelamerika leben nicht alle Arten von Früchten. Manche ernähren sich sogar von Fischen.

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Bernd Kulow
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2 Kommentare

  1. Bei uns im Lichtspielhaus haben sich auch Fledermäuse eingenistet. Ein Freund erforscht die Tiere und ist sogar in seinem Urlaub in Südamerika den Tieren hinterher gekrochen. Mir wäre das ja nichts. Er rutschte in der Höhle an einem Felsen ab und brach sich einen Zahn aus. Mittlerweile hat die ästhetische Zahnmedizin das wieder korrigiert, aber nach Südamerika möchte er vorerst nicht mehr, zumindest nicht in die Höhlen.

    • Hat er denn etwas Spannendes mit den Fledermäusen erlebt oder über sie herausgefunden? Einen Zahn abzubrechen, das schafft man ja auch zu Hause. Jedenfalls scheinen die Fledermäuse eine große Anziehung auf ihn auszuüben. Das klingt doch großartig.

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